Da geht noch was – Düsseldorf, der Sturm und die Konsequenzen

25. Juni 2014 – (-ber) Zwei Wochen nach dem Unwetter spaziere ich durch die Rheinwiesen in Düsseldorf-Oberkassel. Die Sonne scheint, die Kirmes entsteht. Spaziergänger und Sportler sind unterwegs. Drachen stehen am Himmel. Cityidylle, wie gewohnt, aber mit Fehlern im Bild: Während das Straßenbild schon wieder vernarbt, zeigen die Grünanlagen der Stadt weiter Bilder der Verwüstung. Jeden vierten Baum hat der Sturm umgelegt, viele tausende, unzähligen die Krone weggerissen, Stämme und Äste gespalten. Auch hier.


Je weiter man den Rhein abwärts läuft, zu den Stadtteilen Niederkassel und Lörick, desto verheerender wird es.  Menschen stehen fassungslos vor den gefällten Riesen, die die Wege versperren. Viele legen ihre Hand auf die in den Himmel zeigen Wurzelwerke, andere fotografieren.  Jogger halten inne. Stehen vor ebenerdig ausgebreiteten Baumkronen und vergessen die Zeit. Bald ist Kirmes. Die ersten Fahrgeschäfte werden aufgebaut und kontrastieren bunt die gestutzten und gestürzten Bäume. Es wird noch lange dauern, bis aufgeräumt ist. Bis die Düsseldorfer akzeptieren können, wie sehr sich ihre Stadt und ihre grünen Oasen verändert haben.

Das Unwetter von Pfingsten war nicht unbedingt eine Folge des Klimawandels. Aber auf genau solche Phänomene müssen wir uns einrichten, wenn die Erderwärmung und damit die Energie in der Atmosphäre zunehmen, erklären Meteorologen und Klimafolgenforscher, wie etwa der Potsdamer Anders Levermann im Gespräch mit der Rheinischen Post. Zumindest war der Gewittersturm also eine Demonstration, was uns bei fortdauernder ökologischer Rücksichtslosigkeit bevorsteht.

Aus der Nähe betrachtet, die Wetterfolgen vor Augen, sind die Fragen nach der Verantwortung der Entwicklungsländer, China vor allem, der US-Amerikaner mit ihrer latenten Verweigerungshaltung im Klimaschutz, der Industrie und der Landwirtschaft ganz weit weg. Jeder hat einen “Carbon Footprint”, ist durch sein Tun und Handeln verantwortlich für mehr oder weniger CO2 in der Atmosphäre. Im Beruf, im Privatleben. Das evangelische Magazin “Chrismon” – welch ein Timing! – behandelt in seiner aktuellen Titelstory “So läuft das nicht!” den Klimawandel, und entlarvt die “24 besten faulen Ausreden”, mit denen Menschen sich vor Nachhaltigkeit drücken. Auch wenn sich über die Argumente im Detail trefflich diskutieren lässt – der Beitrag inspiriert. Ich bekomme eine Idee, für wie viele Tonnen CO2 im Jahr ich verantwortlich bin. Da geht noch was.

Bildschirmfoto 2014-06-26 um 07.01.04

 

 

Published by Christoph Berdi

Christoph Berdi, Jahrgang 1966, hat an der Universität Dortmund Journalistik und Geschichte studiert und bei der WAZ-Gruppe volontiert. Der Diplom-Journalist arbeitete freiberuflich für verschiedene Medien wie die Deutsche Welle, Süddeutsche Zeitung und Ruhr-Nachrichten, bevor er 1994 als Redakteur zum Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte. Dort arbeitete er zunächst für das „handelsjournal“. Von 2000 bis März 2013 war er Chefredakteur der absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing.

Leave a comment

Your email address will not be published.