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Second Life – gibt´s ein Leben nach dem Hype?

In der virtuellen Welt Second Life präsent zu sein, war für viele Unternehmen noch vor Jahresfirst der letzte Schrei. Dort können sie ihren Kunden in Form von Avataren begegnen und für ihre Produkte und Dienstleistungen werben. Doch um die virtuelle Welt ist es still geworden, und auf die Phase spektakulärer Neueröffnungen folgte eine Zeit der Stille, in die sich nun Meldungen von spektakulären Rückzügen mischen. Springer schließt die virtuelle Zeitung „The Avastar“, die uns immer als mutiges, innovatives Experiment in Erinnerung bleiben wird, Reuters hat sein Büro geschlossen, na ja, seinen Korrespondenten zurückgezogen. Geht in Second Life das Licht aus? Wohl nicht. Aber Realismus kehrt ein. Vielleicht ist´s auf die Formel zu bringen: wer investiert, verliert. Wer die 3D-Welt aber ohne überzogene Erwartungen betritt und sie als Experimentierfeld für ein interaktives Aktionsfeld der Zukunft versteht, kann dort weiter gute Erfahrungen sammeln.

Klaus Brehm ist jemand, der mit einem Schuss Enthusiasmus, aber auch Augenmaß bei der Sache ist. Kein Wunder, denn er verantwortet den Bereich Internet des Goethe-Instituts, das viele Qualitäten hat, aber bestimmt kein Geld für waghalsige Engagements im Internet. Brehm tastet sich in Second Life an das E-Learning der Zuklunft heran, möchte herausfinden, wie sich Präsenzunterricht und Online-Lernen künftig kombinieren lassen. „Uns ist es egal, wieviele Nutzer wir haben, uns reicht eine Laborsituation.“ Davon, dass von den über 16 Millionen registrierten Nutzern in den letzten 60 Tagen nur 1,4 Millionen aktiv waren, lässt er sich auch nicht beeindrucken: „Die Hardware-Anforderungen sind enorm. Bisher ist die Nutzungsmöglichkeit allein deshalb noch auf relativ wenige Menschen beschränkt. Die große Zeit kommt erst noch, in etwa drei bis fünf Jahren.“

Solche Feedbacks bestätigen die optimistischen Prognosen des Second Life-Gründers Philip Rosdale, der gegenüber der Süddeutschen Zeitung in einem lesenswerten Interview sagte: „Wir werden dahin kommen, alle Medien der Welt aufzusagen.“ Das klingt zwar großspurig, aber trotz der Ruhe an der PR-Front ist Second Life noch nicht aus dem Spiel. Die ökonomischen Indikatoren von Second Life weisen weiter nach oben, und es gibt immer wieder interessante Anläufe von namhaften Unternehmen, die Parallelwelt für ihr Marketing zu nutzen. Softwareanbieter SAP beispielsweise erforscht die Zukunft des Einzelhandels nicht nur in seinem Future Retail Store im Schweizer Ort Regensdorf, sondern auch in einer digitalen Kopie in Second Life.

Man muss doch nur mal ins Kalkül ziehen, mit wieviel Spaß und Eifer die jüngeren Generationen „Sims“ spielen und dort nach Lust und Laune ganze Familien von Avataren durchs Leben führen, oder wieviele Menschen sich von Online-Spielen wie „World of Warcraft“ fesseln lassen. Die Leute werden viel ungezwungener mit den virtuellen Welten umgehen und sich, bevor sie stundenlang um die Welt jetten, dort auch wie selbstverständlich zu virtuellen Konferenzen, Meetings und beratungen einfinden. Schon jetzt bereiten viele Menschen ihre Kaufentscheidungen via Internet vor. Warum künftigt nicht auch in einer virtuellen Welt, ob sie nun Second Life heißt oder anders?

Virales auf dem Death Star Germany

Das schwäbelnde „Viral Marketing im Todesstern Stuttgart“ war schon brillant, aber jetzt gibt es das gute Stück als „Viral Marketing at Death Star Germany“. Wer nun glaubt, Darth Vader parliere im besten Oxford-Englisch sieht sich angenehm enttäuscht. Die Sprache ist eher … viral eben. You fall from the chair…

MC Karlsruhe: Web 2.0 für den Mittelstand

Die Gegend um Karlsruhe rühmt sich offenbar nicht umsonst als Technologie-Cluster. Das bestätigte sich bei meinem Vortrag über die neuen Kommunikations-Möglichkeiten im Internet beim Marketing-Club Karlsruhe, an den sich engagierte und fachkundige Diskussion anschloss. Dabei ging es um preiswerte Möglichkeiten, wie auch mittelständische Unternehmen das Web2.0 und die Bewegtbild-Kommunikation via Internet nutzen können. Gezeigt habe ich den preisgekrönten Blog des Automobilzulieferers Delphi, den Web-TV-Sender für Handwerk und Fachhandel im Sanitärbereich Krammer.TV, die neuen gebrandeten Channels auf Youtube (am Beispiel Panasonic) sowie den neuen Dienst Spoods.de, der vom Burda Community Network vermarktet wird.

Vor allem nach Corporate Blogs steht den Unternehmen der Sinn. Viele der Teilnehmer liebäugeln mit den Möglichkeiten, darüber mit ihren Kunden in Kontakt und Kommunikation zu treten. Aufgeworfen wurde die Frage, was denn passiere, wenn Diskussionen im Blog in die falsche Richtung laufen und für das Unternehmen kritisch werden. Darauf antwortete ein anderer Teilnehmer, dass es besser sei, die Debatte auf der eigenen Plattform zu verfolgen und begleiten zu können, als sie in den Tiefen des WWW zu verpassen. Denn irgendwo, so eine Wortmeldung, werde ein kritisches Thema bestimmt diskutiert. Andere warnten davor, „undercover“ die Meinungsbildung in Blogs zu beeinflussen. Solche Verstöße gegen die Netiquette würden bestimmt auffliegen und den Zorn der Blogger auf das Unternehmen lenken. Andere im Publikum beschäftigten sich bereits mit der Frage, wie denn aus den Feedbacks in den Blogs wertvolle Informationen für Produktentwicklungen und –innovationen gewonnen werden können.

Ein Statement brachte das Thema auf den Punkt: Im Web wird sowieso über die Unternehmen und ihre Produkte und Dienstleistung diskutiert. Verhindern lässt sich das nicht. Die Firmen haben nur die Wahl, ob diese Debatten mit ihnen oder ohne sie laufen.

Finnische Uniformen: Produkt-PR oder Piraterie?

Einem besonderen Fall von Produktpiraterie glauben finnische Kommentatoren auf die Spur gekommen zu sein. Im Georgien-Konflikt, so das Ergebnis ihrer Fotoauswertung, hätten russische Truppen Uniformen mit einem geschützten finnischen Tarnmuster getragen. Das besondere an der EU-weit geschützten Camouflage M/05 ist, dass sie auf Luftbildern der finnischen Wälder basiert. „Did Russia steel Finish uniforms?“, titelte deshalb die International „Herald Tribune“ in ihrer gedruckten Ausgabe vom 21. November. Von russischer Seite, so die Tribune, handelten sich die Finnen den Vorwurf ein, mit der Geschichte nur ihr Produkt bekannt machen zu wollen. Die finnischen Behörden teilten mit, dass die Muster der Russen mehr oder weniger denen von M/05 entsprächen, aber der Schnitt der Uniformen ein anderer sei. Dabei wünschen sie sich wohl insgeheim, die Geschichte würde einfach auslaufen. Tut sie aber nicht. Über 1000 Kilometer gemeinsame Grenze und eine keineswegs in einvernehmlicher Nachbarschaft verbrachte Geschichte lassen viele Finnen auf die bloße Botschaft nervös reagieren, dass es in Russland offenbar Uniformen gibt, deren Zeichnung dem Farb- und Formenbild der finnischen Wälder nachempfunden ist

Ehrenrunde im Elfenbeinturm

Das Interview mit Professor Klaus Backhaus in absatzwirtschaft 11/08 sei Ihnen ohnehin zur Lektüre empfohlen, aber in einem Punkt spricht er mir derart aus der Seele, dass ich das Thema hier noch einmal vertiefen möchte. „Ich bedauere es sehr, dass man nur noch in A-Journals publizieren muss, weil man sonst nichts gilt“, sagt der Münsteraner im Gespräch mit Redakteur Thorsten Garber.

Ein ernstes Problem. Um ihre Reputation und auch Finanzierung im Wissenschaftsbetrieb zu sichern und zu steigern, müssen Marketing-Forscher ihre besten Ergebnisse zunächst einmal in hochwissenschaftlichen A-Journals veröffentlichen. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn dadurch nicht mitunter hoch praxisrelevante Forschungsergebnisse für Monate, manchmal Jahre Ehrenrunden im Elfenbeinturm der Wissenschaft drehten. Denn in die A-Journals kommen nur die Besten der Besten, die Beiträge müssen durch ein mehrstufiges Review, in dem sie auf Herz und Nieren geprüft werden. Les- und umsetzbar für Praktiker sind sie selten.

Mit einem Wissenschaftler habe ich monatelang gerungen, um an die Ergebnisse eine Studie zum Umgang mit unrentablen Geschäftsbeziehungen zu kommen. Nein, nein, war die Antwort, erst müsse er die Ergebnisse in einem Journal veröffentlichen. Als nichts daraus wurde, unternahm er einen neuen Anlauf bei einem anderen Journal. Veröffentlicht ist die etwa vier Jahre alte Studie bis heute nicht. Auch nicht bei uns. Denn wir halten sie nun für zu alt.

Zum Thema, welche A-Journals Wissenschaftler denn anvisieren sollten, gibt es bereits mehrere Studien. Die letzte widmete sich explizit dem Thema, wie Akademiker nun denn am besten mit Veröffentlichungen in A-Journals ihre akademische Karriere befördern können. Erschienen ist er im renommierten Journal of Marketing, der Nummer 1 weltweit. Allein dieser Beitrag offenbart schon das ganze Dilemma der Situation: Eingereicht im Februar 2007, brauchten die Reviewer bis zum Mai 2008, um ihm ihren Segen zu geben.