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Meaning. Marge. Momentum.

Ein treffender Dreiklang für Markenführung – vor allem in Zeiten geringer Markenloyalität und bei einem hohen Bedürfnis an Resilienz bei den Verbraucher*innen.

Genau darum drehte sich Ende vergangener Woche ein Panel des Marketing Club Düsseldorf e.V. auf der noch jungen Messe „The Art of Beauty & Health“.

Catharina Christe (Managing Director L’OCCITANE Group D/CH/BNL, Tina Müller (CEO Weleda AG),Victoria-Johanna Polley (Geschäftsführerin Khadi Natural), Hannes Niemann (Director Art of Beauty & Health, Messe Düsseldorf) Andreas Fuhlisch (Geschäftsführer VKE-Kosmetikverband) – auf dem Foto oben von links – teilten starke Meinungen und Insights aus ihren Unternehmen und ihrer Branche, die sich spielend auf andere Wirtschaftszweige übertragen lassen.

Meine drei Takeaways sind:

1. Das Fundament der Markenführung ändert sich nie. Ideeller Mehrwert, Leistung und wirtschaftlicher Erfolg gehören untrennbar zusammen. Modern ausgedrückt heißt das:

  • Meaning respektive Haltung ist der Stabilitätsfaktor und begründet den emotionalen Wert.
  • Marge ist ein Muss, denn nur Wirtschaftlichkeit sichert den notwendigen Handlungsspielraum.
  • Momentum durch permanente Innovation ist unabdingbar, um angesichts der ultrakurzen Aufmerksamkeitsspanne in der Creator- und Social-Media-Economy relevant zu bleiben.

Und, wie es Moderatorin Catharina Christe sinngemäß postulierte:

„Meaning ohne Marge wird zur Ideologie.“

Diese Formel hilft vielleicht, wenn sich Controller und Marketer wieder einmal nicht einig werden… das soll es durchaus geben.

2. Einen beeindruckenden Relaunch hat die Traditionsmarke Weleda unter Führung von CEO Tina Müller hingelegt.

Das Schweizer Unternehmen mit anthroposophischem Hintergrund befindet sich auf einem zügigen Wachstumskurs, der laut Tina Müller von vier Faktoren getrieben wird:

  • Innovation
  • Digitalisierung
  • Internationalisierung
  • Premiumisierung

Mit „Swiss Natural Science“ hat Weleda einen Claim abgesteckt, der Tradition, Herkunft und Leistung miteinander verbindet. In der Verankerung mit Produkten wie „Weleda Blauer Enzian“ und preiskompetitiv positionierten (und enorm erfolgreichen) „Booster Drops“ für eine innovative Hautpflege entsteht das Momentum der Marke. Tina Müller:

„So funktioniert der Kosmetikmarkt: Man landet nicht einmal einen Treffer und hat fünf Jahre Ruhe. Jedes Jahr muss etwas Relevantes kommen.“

Im jüngsten verfügbaren Geschäftsbericht für 2024 – überschrieben mit "Das Jahr der Erneuerung" – stehen 8,4 Prozent Umsatzzuwachs zu Buche. Und wenn man Tina Müller aufmerksam folgte, dann konnte man heraushören: Das Unternehmer, das seit seiner Gründung auf den Einklang zwischen Natur und Mensch setzt, dürfte sich auch im Geschäftsjahr 2025 prächtig entwickelt haben.


Exkurs "Die Werttreiber"

Unternehmen wie Weleda interessieren mich aktuell besonders, weil Unternehmer Erich Colsman, Initiator und Spiritus Rector unseres Buchs „Die Werttreiber – Plädoyer für ein holistisches Unternehmertum“ selbst Anthroposoph ist. Auch die von uns zitierten Dr. Götz Werner (1944–2022, Gründer von dm-drogerie markt Deutschland) und Künstler Joseph Beuys (1921–1986) vertraten diese Weltanschauung.

So gibt es bei Weleda auch eine #Wertschöpfungsrechnung, ein von anthroposophisch inspirierten Unternehmen entwickelten Instruments des internen Rechnungswesens, das wir in unserem Buch vorstellen. Für mich persönlich liegt hier eine interessante Auseinandersetzung. Mir gefällt an Marken wie Weleda, demeter, Alnatura oder dm der ganzheitliche Blick auf Mensch, Natur und Welt. Davon darf es gerne deutlich mehr geben.

Übrigens: Eigentlich sind Bettina Dornberg und ich als Ghostwriter in das Buchprojekt gestartet. Erich Colsman hat uns aber rasch eingeladen, als Co-Autorin und -Autor die Inhalte mitzugestalten. Das haben wir so auch noch nicht erlebt. So etwas passiert nur, wenn Werte wirklich zählen und nicht nur salbungsvoll darüber gesprochen wird.


3. Fakes & Duplikate liegen im Trend – und stellen eine Gefahr für die Innovationskraft der Marken dar

#Produktpiraterie und #Nachahmerprodukte verursachen in vielen Branchen einen großen wirtschaftlichen Schaden; ihr Kauf und Konsum hat durch Social Media sogar Kultcharakter bekommen.

Die wirtschaftlichen Verluste sind immens, wie die Teilnehmer*innen im Panel bestätigten und Andreas Fuhlisch mit seiner Branchenübersicht ausdrücklich betonte.

Dieser Trend zu geklautem geistigen Eigentum verstärkt den ohnehin vorhandenen Preisdruck auf Produkte für selektive Beauty und hemmt natürlich die Innovationskraft.

Deshalb Daumen hoch für die Brancheninitiative „Ich bin keine Kopie!“, die ein Zeichen für Originalität, Kreativität und Wert setzt.

Schaut mal rein: https://ichbinkeinekopie.org

Eigentlich hat die Initiative das Zeug zu einer branchenübergreifenden Kampagne im D/A/CH-Raum!

Nicht zuletzt hat die Messe Düsseldorf mit The Art of Beauty & Health gezeigt, dass Messen mit Impact und Community-Effekt nicht ein halbes Dutzend Hallen füllen müssen. Manchmal reicht ein Foyer, um Marken, Player und Konsument*innen wirkungsvoll zusammenzuführen.

Wie brachte es Victoria-Johanna Polley auf den Punkt?

„Community ist die neue Reichweite – entscheidend ist Engagement, nicht nur Follower.“

Zuerst veröffentlicht hier auf LinkedIn am 11. März 2026

Goldene Blogger 2024 – Make some Neuss-Noise

veröffentlicht im April 2024 auf Linkedin

Na also! Das Internet ist doch nicht kaputt. Zumindest nicht ganz. Das ist meine Erkenntnis der auslaufenden Woche, die so lustig, ermutigend und berührend begann, dass ich auch mit ein paar Tagen Verspätung davon erzählen möchte. Was mir bis heute gute Laune bereitet, ist die Preisverleihung zum Goldenen Blogger 2024 am vergangenen Montag, live und in Farbe im Zeughaus in Neuss, wunderbar humorvoll moderiert von Franziska Bluhm und Thomas Knüwer. Ohne sie würde es den Award gar nicht geben. Sie haben vor 17 Jahren die erste Preisverleihung vom legendären Bügelbrett, das immer noch im Einsatz ist, aus Franziska Bluhms Wohnzimmer gestreamt. Als Persiflage auf allzu prätentiöse und wichtigtuerische Awards in der Kommunikationsbranche. Den Witz hat nur niemand verstanden, viele fanden den Goldenen Blogger großartig und nahmen ihn ernst. Gut so.

Fast forward ins Jahr 2024… Auf der Bühne versammeln sich lauter Menschen, die ihr Ding machen im Internet und verdientermaßen auf Resonanz stoßen. Weil sie Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft einen Tick weiterdenken. Ob als Biobäuerin, als Palliativteam, als Lanz-Precht-Versteher, als Fake-News-Entlarver, als Finanzexperte:innen für alle oder speziell für Frauen, als Analysten des Fußballphänomens Rasen Ball/ Red Bull Leipzig … Das Netz ist bunt und stark, konstruktiv-kritisch und tief, wenn man denn nur bereit ist, sich darauf einzulassen und auch an die Orte geht, an denen es mal wehtut. Wie bei der Bloggerin des Jahres beispielsweise, Tupoka Ogette, die ohne erhobenem Zeigefinger gegen versteckten wie strukturellen Antirassismus ankämpft.

Und sonst so? Christina Westermann wird mit 75 Jahren noch als Newcomerin (sic!) ausgezeichnet für ihren Literatur-Podcast „Zwei Seiten“ mit der Journalistin Mona Ameziane. Metal-Ikone Doro Pesch steht gemeinsam mit Judith Rakers auf der Bühne, die letztlich einen Goldenen Blogger gewinnt, weil sie statt Nachrichten zu verlesen nun so überzeugt und überzeugend über Homefarming aufklärt, dass man am liebsten sofort losbuddeln möchte.

Und dann gibt es noch die Standing Ovations für Verleger David Schraven und das Recherchenetzwerk CORRECTIV, das die für Millionen Menschen und unsere Demokratie bedrohlichen Ewig-gestrig-Träume der AfD sowie der gesamten extremrechten Blase aufgedeckt hat. Prädikat wertvollst.

Meinen Sympathieaward verleihe ich den Cheerleaders der Neuss Gladiators, die die Umschläge mit den Namen der Gewinner:innen, begleitet von sauberen Salti, zur Bühne gebracht und für den zünftigen Lärm zum abendprägenden Wortspiel gesorgt haben: Make some Neuuuuuuuuss!

Und hey, kann nicht jemand dem Team des Goldenen Bloggers endlich mal einen Award verleihen? Mit allem Zipp und Zapp und rotem Teppich und Blitzlichtgewitter? Wär´ so was von verdient.

Abschied von Bernd M. Michael

Mit Bernd M. Michael hat die Marketing- und Werbeszene eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten nun endgültig verloren. Bis zu seinem tragischen Unfall im Jahr 2009 war er ein unermüdlicher Streiter für Marketing mit Substanz, für Kreativität mit Strategie. 

In der damaligen Redaktion der absatzwirtschaft haben wir die Zusammenarbeit mit ihm immer sehr geschätzt. Interviews und Storys mit ihm waren inspirierend und hatten gleichzeitig Hand und Fuß. Da kamen keine hohlen Floskeln, kein Chichi. Wir konnten uns sicher sein: Davon haben unsere Leser:innen etwas. 

In seiner Zeit als Präsident des DMV (Deutscher Marketing Verband) habe ich als Chefredakteur der Zeitschrift einige Zeit enger mit ihm zusammengearbeitet. Dabei habe ich erlebt, dass ihm nicht nur Marken und die Marken-Macher:innen wichtig waren. Auch das Image von Marketing und Werbung, ihr Beitrag zur #Wertschöpfung am Standort Deutschland lag ihm am Herzen.

Bernd M. Michael war Motor, Identifikationsfigur und Botschafter für Marketing und Werbung. Ein Überzeugungstäter, eine Type ... und auch ein Fuchs.

Is Virtual Reality The New Tech Frontier For Brands? – Brand Quarterly

Gerade entdeckt: Brand Quarterly, eine interessante Website, sehr up to date mit guten Inhalten über Markenführung in der digitalen Transformation. Hier ein Link zu einer Story über Virtual Reality und ihren Nutzen für die Markenführung.

This year is poised to be the year of Virtual Reality (VR) for brands. In fact, it’s predicted that this will be the VR industry’s first billion-dollar year – with the potential for market growth of up to 150 billion by 2020. And VR isn’t just for gamers anymore – brands of all types and sizes have watched heavyweight innovators like Google and Red Bull experiment with the platform – successfully driving deeper, more meaningful experiences for their customers. It’s only a matter of time before broader, more widespread adoption takes place across the enterprise.

Source: Is Virtual Reality The New Tech Frontier For Brands? – Brand Quarterly

Pricing: Evernotes Sprung ins Ungewisse

Der Cloudservice Evernote erhöht massiv die Preise. Ob das gut geht? Es gleicht ein wenig einem öffentlichen Feldversuch zur Preiselastizität, was Evernote gerade versucht. 

Evernote genehmigt sich einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Der Preis für die Premium-Version steigt um gut 40%. Das nenne ich mal Power Pricing. Es spricht aber weiter einiges für Evernote Premium, das ich persönlich sowohl als Notetaking-App, fürs Projektmanagement und auch als Dokumenten-Management-System (DMS) nutze. Vor allem, dass in der Premium-Version Pdfs durchsucht werden können, ist wirklich hilfreich. Und das kann weder Apple Note noch Microsofts Onenote. Aber die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht. Jedenfalls wird auf vielen Webeiten darüber diskutiert, ob nicht der Zeitpunkt gekommen ist, Evernote den Rücken zu kehren.

I’ve been an Evernote user since 2009. My life is in there. But after the company’s pricing changes made clear that it’s ditching its core consumer user base, it’s time for a move. Hello, Microsoft OneNote.
Sascha Sagen, PC Mag UK

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Alle sind online? Von wegen.

Auf ihrer diesjährigen Markenroadshow präsentierten Serviceplan, die GfK und der Markenverband ein Konzept zur Markenführung in Zeiten der Digitalen Transformation. Im Zentrum steht ein Modell, das die fürs Marketing wichtige Zielgruppe der Haushaltsführenden nach dem Grad ihrer digitalen Affinität segmentiert. Überraschung: 42 Prozent leben digital abstinent.

Die GfK hat Panels, die das Kaufverhalten und die Mediennutzung aufzeigen, mit klassischen Mediastudien wie dem Fernsehpanel der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschungen zusammengeschoben. Auf Basis dieser „Datenfusion“ können die Marktforscher drei Zielgruppen-Typen beschreiben:

  •  Non User, oder kurz „Nons“, die 42 Prozent der Zielgruppe der Haushaltführenden ausmachen,
  •  Standard User, die sogenannten „Stans“, die 25 Prozent repräsentieren,
  •  sowie die mobilen digitalen User, die „Modis“. Sie stehen für 33 Prozent der Zielgruppe.

Als „heavy user“ sind die „Modis“ für das Marketing natürlich besonders interessant. Viele greifen schon direkt nach dem Aufstehen zum Smartphone und sind sofort ansprechbar. Außerdem sind sie eigentlich dauernd und über verschiedene Geräte online, sodass sie mit von Hilfe Cookies und Retargeting auf verschiedenen Kanälen immer wieder gezielt adressiert werden können. Ein Schlaraffenland voller Touchpoints für Marketers und Mediaplaner, die auf dieser Klaviatur spielen können. Serviceplan, GfK und Markenverband sehen bei Marken, die eine überdurchschnittliche Anzahl der „Modis“ adressieren, signifikante Gewinne von Marktanteilen. Bei den „Stans“, die eher pragmatisch das Standardprogramm von Email über Google-Suche bis hin zu Produktrecherchen fahren, sieht die Kommunikationswelt schon weniger lukrativ aus. Die „Nons“, in der Mehrzahl Ruheständler, sind über digitale Kontaktpunkte kaum zu erreichen.

 

Title slide for Serviceplan

Eine Frage des Alters: Die Non User („Nons“) sind überwiegend bereits im Ruhestand, während die „Modis“ am Anfang ihres Berufslebens stehen. Grafik: GfK, Markenverband, Serviceplan

 

Betrachtet man aber manche Diskussionen über State-of-the-Art-Marketing, so entsteht jedoch leicht der Eindruck, es gehe nur noch um die „Modis“ und alles werde digital. Das sollten sich die Marketers aber gut überlegen: Die digital nicht aktiven „Nons“ sowie die pragmatischen „Stans“ stehen nach wie vor für zwei Drittel und damit die Mehrheit der Haushaltsführenden. Es bleibt deshalb eine Hauptaufgabe für viele Marken – bei allem Sturm und Drang zur digitalen Innovation – die Kommunikation mit diesen mehr oder wenigen „analogen“ Zielgruppen nicht zu vernachlässigen, selbst wenn die „Modis“ die attraktivste Zielgruppe sind. Vielversprechend ist es offenbar, die Zielgruppen nicht getrennt anzusprechen, sondern vernetzt: Bei gleichem Budgeteinsatz seien so eine um zwölf Prozent größere Effizienz und in der Regel auch höhere Umsätze zu erzielen. Eine optimale Werbewirkung – so der auf der Roadshow kommunizierte Erfahrungswert – werde derzeit durch einen konvergenten Einsatz von analogen mit digitalen Medien im Verhältnis von 70 zu 30 Prozent des Budgets erreicht. Diese Ratio wird sich In Zukunft  jedoch zugunsten der digitalen Medien verschieben:

 

Title slide for Serviceplan

Noch machen die „Modis“ nur ein Drittel der Haushaltsführenden aus, aber ihr Anteil wird kontinuierlich steigen. Grafik: GfK, Markenverband und Serviceplan.

 

Mit der Faustregel „70/30“ allein ist natürlich ohnehin keine vernetzte Markenführung zu machen. Was es dazu nach Ansicht von GfK, Markenverband und Serviceplan im Detail braucht, zeigt dieses Papier mit Infos und Hintergründen zur Arbeit mit den „Nons“, „Stans“ und „Modis“, zu crossmedialer Mediaplanung, Retargeting, Touchpoints, Real Time Data, Content und Vertrieb.