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Klarer Fokus, Customizing und Convenience: Mymüsli ist einer der interessantestes Marken-Launches der vergangenen zehn Jahre.

Wie funktionieren die Marken von morgen? Markenberater Michael Brandtner, Vertreter der Schule von Laura und Al Ries, beschreibt in einem aktuellen Blogbeitrag fünf Erfolgsfaktoren:

1) enger Fokus auf einen ausgewählten Produktbereich

2) große Auswahl innerhalb dieses Produktfokus, die sich in vielen Fällen auch individualisieren lässt

3) klare Positionierung durch die enge Fokussierung

4) hoher Convenience-Grad bis hin zu Bestellabos

5) hohes Internationalisierungs- bzw. auch Globalisierungspotenzial durch den Vertriebsweg Internet

Eine Marke, die nach diesen Prinzipien arbeitet, sei Mymüsli, schreibt Brandtner. Tatsächlich finden sich die von Brandtner beschriebenen fünf Prinzipien im Geschäftsmodell und im Auftritt von Mymüsli wieder: Das 2007 in Passau gegründete Unternehmen kommuniziert mit der Marke eindeutig, dass es sich auf Müsli spezialisiert hat. Es bietet innerhalb dieses Segments eine hohe Anzahl von Mischungen und Möglichkeiten, bleibt dabei aber fokussiert. Müslis zuzubereiten ist per sé convenient, aber bei Mymüsli gilt das auch für den Kaufprozess und das klare, Kaufentscheidungen erleichternde Packaging. Mittels Customizing – bei Mymüsli kann sich der Kunde seinen Mix im Internet auch selber zusammenstellen – differenziert sich die Marke weiter vom Wettbewerb. Dazu tragen auch die Bio-Qualität und diverse Problemlösungen bei, etwa für Menschen, die sich auf natürlichem Wege entgiften (Detox) oder ihr Gewicht reduzieren möchten. Neben dem Internet haben sich längst die eigenen Shops und der Vertrieb über den Lebens- und Drogerieartikelhandel etabliert. Die im Kern um den Vertrieb via Internet aufgebauten Prozesse erlauben die Internationalisierung. Auch wenn die Marke “denglisch” klingt, weil sie sich eben aus “My” und “Müsli” zusammensetzt, kann sie auch im Auslandsvertrieb Kultcharakter entwickeln.

“Tree of Teas” statt “MyMüsli Tea”

Die Marke Mymüsli ist klar positioniert. Das ist die Lehre von Al Ries, der gemeinsam mit Jack Trout als Vater der Positionierung gilt, und seiner Tochter Laura. Gleichwohl besetzt auch Mymüsli neue Geschäftsfelder. Dabei vermeidet Mymüsli aber einen Fehler, den Brandtner immer wieder und ganz in Ries´scher Manier anprangert: Das Unternehmen stopft nicht alle neuen Produkte unter die Marke Mymüsli, sondern etabliert neue Marken für verschiedene Markt- und Kundensegmente. Tees laufen unter der Brand “Tree of Tees”, Kaffee ist als “Green Cup Coffee” ausgeflaggt und Saftorangen als “Oh!-Saft”. Multimarkenkonzerne sammeln immer wieder ihre Marken ein. Sprich: Sie reduzieren die Anzahl, weil die Markenführung zu schwierig und teuer geworden ist. Mymüsli hingegen kreiert munter neue Marken. Liegt hier der Unterschied zwischen klassischen Markenkonzernen und jungen Markenunternehmen, die gedanklich und vom Geschäftsmodell her aus der digitalen Welt kommen?

Eine spannende Entwicklung, und auch deshalb ein lesenswerter Beitrag von Michael Brandtner: Markenuntreue und der Weg zu einem gänzlich neuen Markenmodell auf Herstellerseite