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Future Center Europe: Volkswagen im Start-up-Modus

Der Volkswagen-Konzern gewährt Einblick in sein Allerheiligstes für die digitale Zukunft. Ein Ortstermin für die Initiative Deutschland Digital im Future Center Europe in Potsdam.

Von Christoph Berdi

Am Empfang liegen Dutzende Handys, griffbereit und geordnet. Auf einigen kleben Post-its mit den Namen ihrer Besitzer. Sie können ihre Telefone wieder an sich nehmen, wenn sie das Gebäude am Ufer des Gewässers „Tiefer See“ in Potsdam verlassen. Stetig gesellen sich weitere Geräte dazu. Es ist 14 Uhr; viele Mitarbeiter kommen zurück aus der Mittagspause. Brav gebe auch ich mein Smartphone ab und lasse auch gleich meinen Laptop da. Alles wegen der Kameras. Das Future Center Europe des Volkswagen-Konzerns in Potsdam ist ein Ort voller Betriebsgeheimnisse. Hier wird nicht offen über die Mobilität der Zukunft verhandelt, sondern im Dienste des Konzerns und seiner Marken geforscht und entwickelt. Das besondere dieses Centers und seiner beiden Schwestereinrichtungen in Peking und San Francisco ist: Designer und Digitalexperten arbeiten Hand in Hand. An neuen Designgrundlagen, an digitalisierten Cockpits, am autonomen Fahren und an der E-Mobility. Und obwohl schon zu Beginn der Führung durch dieses Zukunftslabor klar ist, dass das wirklich „heiße Zeug“ fremden Augen verborgen bleibt, stellt sich schnell Neugier ein. Das Verborgene ist immer spannender als das Offensichtliche. Aber das Offensichtliche ist spannend genug.

Source: Future Center Europe: Volkswagen im Start-up-Modus » Initiative Deutschland Digital

Lost in the Feed

Die Customer Journey ist tot. Wer hat das noch mal geschrieben? Und wo? LinkedIn? Facebook, Xing? Twitter? Die Customer Journey lebt. Und wer meint das jetzt? Was man von Pokemon Go lernen kann, nein muss. Und Big Data war gestern. Heute heißt es handeln. Aha. Wo gibt´s eigentlich brauchbare Best Practice? Was, die führen eigentlich nur in die Irre? Ach so. Dann stelle ich die Suche mal ein. Oder? Ne, so ganz verstanden habe ich es nicht, warum Best Practice jetzt doof sein sollen. Aber was lese ich da? Dank xxxx-Marketing müsse ich mich um nichts mehr kümmern. Alles automatisch. Ja jetzt bin ich aber erleichtert. Obwohl… alle Kennziffern sind falsch respektive gefälscht. Oh Gott. Und: Marketing war noch nie so komplex wie heute. Ach! Und agile, Baby, alles agile. Yeah. Zehn Social- und Techniktrends lachen mich an. Lesen? Hm. Personalauswahl ist häufig mangelhaft. Stimmt, kann ich bestätigen. Und nun? Digital Leadership muss neu definiert werden. Bestimmt. HR muss Core-Bestandteil eines Unternehmens sein. Donnerwetter, hab ich nicht gewusst. Was mach ich nur mit all dem Input? Was steht da? Die gemütlichen Zeiten sind vorbei. Find ich auch. Was nun Verkaufsgespräche mit einem Fußballspiel zu tun haben… will ich grad nicht wissen. Was sich hinter der der Überschrift „Mütter sind die neuen Ölquellen“ verbirgt – auch nicht wirklich. Aber Mark Zuckerbergs zehn Erfolgsregeln? Ach so… schon bereut. Wir müssen Innovation neu denken. Immer kann ich da nur sagen, bitte immer! Oh, ein neues Social Network oder so ähnlich: Shout it out loud! Hype die Shouts! Booste Deine Reichweite! DAS IST MIR ZU LAAAAAUUUUUUUT. I am lost in the feed… ich booste jetzt mal my mental health. Und… aus.

Wie empfänglich sind Blogger für PR und Marketing?

Blogger in Deutschland: PR und Marketing ausdrücklich erwünscht?


Einblicke in die Blogosphäre: Das internationale Agentur-Netzwerk IPREX hat zum zweiten Mal das Blogbarometer veröffentlich. Dafür standen 2.000 Blogger in 13 Ländern Rede und Antwort. In Deutschland gaben knapp 300 Blogger Auskunft zur Zusammenarbeit mit Marketing und PR – und sehen sie überraschend positiv. 

Mehr als die Hälfte der befragten deutschen Blogger werden sehr häufig von Unternehmen kontaktiert – 30 Prozent mehrmals wöchentlich, 25 Prozent sogar täglich. Die Zahl der Blogger, die von Unternehmen zwecks PR und Marketing angesprochen wurden, hat im Vergleich zum Vorjahr von 84 Prozent  auf 90 Prozent der Befragten weiter zugenommen. Dies führt offensichtlich aber nicht zu Verdruss, so heißt es seitens IPREX, denn die Zahl der Blogger, die diese Ansprache positiv sieht, stieg von 60 auf 70 Prozent. Die Zahl derjenigen hingegen, die keiner­lei Kontaktanfragen seitens der Unternehmen möchten, fiel von zwölf Prozent auf vier Prozent. Darüber bin ich etwas verwundert. Bei einer Diskussionsrunde Anfang des Jahres habe ich Blogger kennengelernt, die deutlicher auf Distanz zu Unternehmen gingen und sich doch gleichzeitig auf Augenhöhe sahen. Mein Fazit in dem Post “Reiseempfehlung: ein Trip in die Blogosphäre” lautete: Continue reading

Fünf Prinzipien für ein neues Markenmodell

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Klarer Fokus, Customizing und Convenience: Mymüsli ist einer der interessantestes Marken-Launches der vergangenen zehn Jahre.

Wie funktionieren die Marken von morgen? Markenberater Michael Brandtner, Vertreter der Schule von Laura und Al Ries, beschreibt in einem aktuellen Blogbeitrag fünf Erfolgsfaktoren:

1) enger Fokus auf einen ausgewählten Produktbereich

2) große Auswahl innerhalb dieses Produktfokus, die sich in vielen Fällen auch individualisieren lässt

3) klare Positionierung durch die enge Fokussierung

4) hoher Convenience-Grad bis hin zu Bestellabos

5) hohes Internationalisierungs- bzw. auch Globalisierungspotenzial durch den Vertriebsweg Internet

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Reiseempfehlung: Ein Trip in die Blogosphäre

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Wer in der Blogosphäre auf Entdeckungsreise geht, stößt auf interessante Typen. Die Kunst ist, sie ausfindig zu machen und eine intelligente Form der Zusammenarbeit zu finden. Foto: Christoph Berdi

 

Die netzökonomische “Käsekuchenrunde” von Blogger und Publizist Gunnar Sohn über “Solopreneure”, also Blogger und ihre Geschäftsmodelle, war eine spannende Angelegenheit. Mein persönliches Fazit nach der Debatte Anfang Januar: Marketer und Blogger müssen reden, reden, reden, wenn sie gemeinsam Erfolg haben möchten.

Mediaplanung ist ein durch Reichweiten- und Kontaktbelegen bestens strukturiertes Geschäft. Ob TV, Radio, Print oder Digital – die Transparenz ist hoch. Im Prinzip wissen doch alle Marktteilnehmer, was sie aneinander haben und voneinander erwarten können.

Es gibt aber eine reichweiten- und vor allem bindungsstarke Mediengattung, die fällt aus diesem gut geregelten Spiel fast völlig heraus: Bloggerinnen und Blogger. Die Blogosphäre. Unendliche Weiten. Und, so mein Eindruck nach der spannenden Diskussion: Den Marketers bleibt nichts anders übrig, als sich wie dereinst Captain Kirk auf die Reise zu begeben in diesen ebenso aufregenden wie unübersichtlichen Raum, um neue Möglichkeiten zu erforschen, die noch nie zuvor ein Marketer gesehen hat.

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Thyssenkrupp setzt auf Evolution

Thyssenkrupp, seit 1999 fusioniert und mit Sitz in Essen, schreibt mit dem Marken-Relaunch seine Geschichte fort und positioniert sich als der diversifizierte Technologiekonzern, zu dem er sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

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Konzernzentrale in Essen: CEO Dr. Heinrich Hiesiger vor dem neuen Markenauftritt (Foto: Thyssenkrupp).

 

Ein notwendiger Schritt, denn die Marke repräsentierte bis dato eine vergangene Welt. Der Bogen, das Markenerbe von Thyssen, sowie die drei Ringe, die Reminiszenz an das alte Krupp-Logo, standen für eine Stahlindustrie alter Prägung, für jenen „Pulsschlag aus Stahl“, wie ihn Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Bochum“ besang. Man sieht die Stahlbrammen quasi vor sich, spürt die Hüttenfeuer und hört den Lärm der Walzstraße. Aber Thyssenkrupp hat immer weniger mit dieser archaischen Schwerindustrie gemeinsam. Der Anteil des Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäft am Gesamtumsatz von 43 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2014/2015) wächst weiter, während sich der Anteil des Stahlgeschäfts bereits von 60 auf 30 Prozent halbiert hat,

Vorstandschef Dr. Heinrich Hiesinger beschreibt die Ausgangslage so:

„Thyssenkrupp hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert. Wir sind heute ein anderes Unternehmen. Wir sind diversifizierter und stabiler geworden, werden aber noch nicht überall als der leistungsfähige Industriekonzern wahrgenommen, der wir sind und künftig noch mehr sein wollen. Deshalb haben wir uns entschieden, die Marke weiterzuentwickeln.“

Hiesinger geht es auch darum, ein positives, weithin wahrnehmbares Zeichen zu setzen, denn Thyssenkrupp gehörte in den letzten Jahren durchaus zu den Sorgenkindern der deutschen Wirtschaft. Fehlinvestments in Stahlwerke in den USA und Brasilien, letzteres ist noch nicht verkauft, Korruptionsdelikte und Kartellvergehen führten letztlich vor zwei Jahren zu diversen Wechseln in Topmanagement und Aufsichtsrat. Gerhard Cromme, langjähriger Krupp-Chef und Vater der Fusion von Thyssenkrupp, legte sein Mandat als Vorsitzender des Aufsichtsrats damals nieder. Keine schönen Schlagzeilen.

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Das Zitat: Unabhängigkeit vor Wachstum

“Für uns ist Unabhängigkeit wichtiger als Wachstum. (…)  Unser Ziel ist es, immer wieder Produkte auf den Markt zu bringen, die Legenden werden wie beispielsweise der Kopfhörer Orpheus. Das geht nur, wenn wir nicht an Quartalsergebnissen gemessen werden.”

Andreas Sennheiser im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, 9. November 2015. Sennheiser ist ein im Consumer- und  Profibereich erfolgreicher Audio-Spezialist mit Sitz in Wennebostel bei Hannover.

Samsungs Safety-Truck steht still, doch die PR rollt

Nein, in Betrieb ist der Prototyp nicht mehr, nun muss laut Samsung erst einmal ge- und überprüft werden, ob sich das Konzept wirklich straßentauglich umsetzen lässt. Aber die Idee ist bestechend, die Bilder und Videos dazu sind klasse und Samsung rollt durch die Medien und Social Networks mit der Idee, Lkw´s transparent zu machen.

 

Eigentlich grandios, und wer öfter mal auf der Autobahn oder Landstraßen hinter einem Lkw hängt und ihn liebend gern überholen würde, der weiß es sicher zu schätzen, wenn er plötzlich den Durchblick bekommt: Kameras am Führerhaus eines Trucks filmen die Straße und übertragen das Bild auf einen großen Screen auf der Rückseite. Soweit, so gut, so PR-trächtig. Jetzt kommen die Haken. Wie groß würde das Invest für Speditionen? Wie resistent ist es im Alltag des Speditions- und Ladebetriebs? Wer haftet überhaupt, wenn die Übertragung auf den Screen gestört ist und es zu einem Unfall kommt? Lenken die Screens hinterdrein zuckelnde Fahrer nicht vielleicht zu sehr ab? Was sagen die offiziellen Prüfer, wie in Deutschland der TÜV, dazu? Falls es überhaupt dazu kommt. Der Samsung-Safety-Truck ist eine Idee der argentinischen Dependance der Werbeagentur Leo Burnett und von daher grundsätzlich auf Kommunikationserfolg angelegt. Der ist Samsung erst einmal sicher. Und der Agentur auch, denn die gewann mit diesem großartigen Einfall  beim Werbefestival in Cannes einen Cyber-Löwen. Chapeau. Auch wenn der Safety-Truck damit nun wieder von der Straße verschwunden sein sollte – einen Impuls zum Thema Verkehrssicherheit haben Leo Burnett und Samsung allemal gegeben. Und mehrere Millionen Klicks auf Youtube sind wahrscheinlich nicht der Kampagnenqualität geschuldet, sondern dem Umstand, dass viele, viele Menschen die Safety-Truck-Idee spannend finden.

 

Bernd M. Michael: Standing Ovations beim Marketing-Club