von Christoph Berdi | März 25, 2026 | Digital & Vernetzt, Marken & Marketing, Unternehmen & Management
Ein treffender Dreiklang für Markenführung – vor allem in Zeiten geringer Markenloyalität und bei einem hohen Bedürfnis an Resilienz bei den Verbraucher*innen.
Genau darum drehte sich Ende vergangener Woche ein Panel des Marketing Club Düsseldorf e.V. auf der noch jungen Messe „The Art of Beauty & Health“.
Catharina Christe (Managing Director L’OCCITANE Group D/CH/BNL, Tina Müller (CEO Weleda AG),Victoria-Johanna Polley (Geschäftsführerin Khadi Natural), Hannes Niemann (Director Art of Beauty & Health, Messe Düsseldorf) Andreas Fuhlisch (Geschäftsführer VKE-Kosmetikverband) – auf dem Foto oben von links – teilten starke Meinungen und Insights aus ihren Unternehmen und ihrer Branche, die sich spielend auf andere Wirtschaftszweige übertragen lassen.
Meine drei Takeaways sind:
1. Das Fundament der Markenführung ändert sich nie. Ideeller Mehrwert, Leistung und wirtschaftlicher Erfolg gehören untrennbar zusammen. Modern ausgedrückt heißt das:
- Meaning respektive Haltung ist der Stabilitätsfaktor und begründet den emotionalen Wert.
- Marge ist ein Muss, denn nur Wirtschaftlichkeit sichert den notwendigen Handlungsspielraum.
- Momentum durch permanente Innovation ist unabdingbar, um angesichts der ultrakurzen Aufmerksamkeitsspanne in der Creator- und Social-Media-Economy relevant zu bleiben.
Und, wie es Moderatorin Catharina Christe sinngemäß postulierte:
„Meaning ohne Marge wird zur Ideologie.“
Diese Formel hilft vielleicht, wenn sich Controller und Marketer wieder einmal nicht einig werden… das soll es durchaus geben.
2. Einen beeindruckenden Relaunch hat die Traditionsmarke Weleda unter Führung von CEO Tina Müller hingelegt.
Das Schweizer Unternehmen mit anthroposophischem Hintergrund befindet sich auf einem zügigen Wachstumskurs, der laut Tina Müller von vier Faktoren getrieben wird:
- Innovation
- Digitalisierung
- Internationalisierung
- Premiumisierung
Mit „Swiss Natural Science“ hat Weleda einen Claim abgesteckt, der Tradition, Herkunft und Leistung miteinander verbindet. In der Verankerung mit Produkten wie „Weleda Blauer Enzian“ und preiskompetitiv positionierten (und enorm erfolgreichen) „Booster Drops“ für eine innovative Hautpflege entsteht das Momentum der Marke. Tina Müller:
„So funktioniert der Kosmetikmarkt: Man landet nicht einmal einen Treffer und hat fünf Jahre Ruhe. Jedes Jahr muss etwas Relevantes kommen.“
Im jüngsten verfügbaren Geschäftsbericht für 2024 – überschrieben mit "Das Jahr der Erneuerung" – stehen 8,4 Prozent Umsatzzuwachs zu Buche. Und wenn man Tina Müller aufmerksam folgte, dann konnte man heraushören: Das Unternehmer, das seit seiner Gründung auf den Einklang zwischen Natur und Mensch setzt, dürfte sich auch im Geschäftsjahr 2025 prächtig entwickelt haben.
Exkurs "Die Werttreiber"
Unternehmen wie Weleda interessieren mich aktuell besonders, weil Unternehmer Erich Colsman, Initiator und Spiritus Rector unseres Buchs „Die Werttreiber – Plädoyer für ein holistisches Unternehmertum“ selbst Anthroposoph ist. Auch die von uns zitierten Dr. Götz Werner (1944–2022, Gründer von dm-drogerie markt Deutschland) und Künstler Joseph Beuys (1921–1986) vertraten diese Weltanschauung.
So gibt es bei Weleda auch eine #Wertschöpfungsrechnung, ein von anthroposophisch inspirierten Unternehmen entwickelten Instruments des internen Rechnungswesens, das wir in unserem Buch vorstellen. Für mich persönlich liegt hier eine interessante Auseinandersetzung. Mir gefällt an Marken wie Weleda, demeter, Alnatura oder dm der ganzheitliche Blick auf Mensch, Natur und Welt. Davon darf es gerne deutlich mehr geben.
Übrigens: Eigentlich sind Bettina Dornberg und ich als Ghostwriter in das Buchprojekt gestartet. Erich Colsman hat uns aber rasch eingeladen, als Co-Autorin und -Autor die Inhalte mitzugestalten. Das haben wir so auch noch nicht erlebt. So etwas passiert nur, wenn Werte wirklich zählen und nicht nur salbungsvoll darüber gesprochen wird.
3. Fakes & Duplikate liegen im Trend – und stellen eine Gefahr für die Innovationskraft der Marken dar
#Produktpiraterie und #Nachahmerprodukte verursachen in vielen Branchen einen großen wirtschaftlichen Schaden; ihr Kauf und Konsum hat durch Social Media sogar Kultcharakter bekommen.
Die wirtschaftlichen Verluste sind immens, wie die Teilnehmer*innen im Panel bestätigten und Andreas Fuhlisch mit seiner Branchenübersicht ausdrücklich betonte.
Dieser Trend zu geklautem geistigen Eigentum verstärkt den ohnehin vorhandenen Preisdruck auf Produkte für selektive Beauty und hemmt natürlich die Innovationskraft.
Deshalb Daumen hoch für die Brancheninitiative „Ich bin keine Kopie!“, die ein Zeichen für Originalität, Kreativität und Wert setzt.
Schaut mal rein: https://ichbinkeinekopie.org
Eigentlich hat die Initiative das Zeug zu einer branchenübergreifenden Kampagne im D/A/CH-Raum!
Nicht zuletzt hat die Messe Düsseldorf mit The Art of Beauty & Health gezeigt, dass Messen mit Impact und Community-Effekt nicht ein halbes Dutzend Hallen füllen müssen. Manchmal reicht ein Foyer, um Marken, Player und Konsument*innen wirkungsvoll zusammenzuführen.
Wie brachte es Victoria-Johanna Polley auf den Punkt?
„Community ist die neue Reichweite – entscheidend ist Engagement, nicht nur Follower.“
Zuerst veröffentlicht hier auf LinkedIn am 11. März 2026
von Christoph Berdi | Juli 2, 2024 | Digital & Vernetzt, Kunst & Kultur, Marken & Marketing, Medien & Kommunikation
veröffentlicht im April 2024 auf Linkedin
Na also! Das Internet ist doch nicht kaputt. Zumindest nicht ganz. Das ist meine Erkenntnis der auslaufenden Woche, die so lustig, ermutigend und berührend begann, dass ich auch mit ein paar Tagen Verspätung davon erzählen möchte. Was mir bis heute gute Laune bereitet, ist die Preisverleihung zum Goldenen Blogger 2024 am vergangenen Montag, live und in Farbe im Zeughaus in Neuss, wunderbar humorvoll moderiert von Franziska Bluhm und Thomas Knüwer. Ohne sie würde es den Award gar nicht geben. Sie haben vor 17 Jahren die erste Preisverleihung vom legendären Bügelbrett, das immer noch im Einsatz ist, aus Franziska Bluhms Wohnzimmer gestreamt. Als Persiflage auf allzu prätentiöse und wichtigtuerische Awards in der Kommunikationsbranche. Den Witz hat nur niemand verstanden, viele fanden den Goldenen Blogger großartig und nahmen ihn ernst. Gut so.
Fast forward ins Jahr 2024… Auf der Bühne versammeln sich lauter Menschen, die ihr Ding machen im Internet und verdientermaßen auf Resonanz stoßen. Weil sie Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft einen Tick weiterdenken. Ob als Biobäuerin, als Palliativteam, als Lanz-Precht-Versteher, als Fake-News-Entlarver, als Finanzexperte:innen für alle oder speziell für Frauen, als Analysten des Fußballphänomens Rasen Ball/ Red Bull Leipzig … Das Netz ist bunt und stark, konstruktiv-kritisch und tief, wenn man denn nur bereit ist, sich darauf einzulassen und auch an die Orte geht, an denen es mal wehtut. Wie bei der Bloggerin des Jahres beispielsweise, Tupoka Ogette, die ohne erhobenem Zeigefinger gegen versteckten wie strukturellen Antirassismus ankämpft.
Und sonst so? Christina Westermann wird mit 75 Jahren noch als Newcomerin (sic!) ausgezeichnet für ihren Literatur-Podcast „Zwei Seiten“ mit der Journalistin Mona Ameziane. Metal-Ikone Doro Pesch steht gemeinsam mit Judith Rakers auf der Bühne, die letztlich einen Goldenen Blogger gewinnt, weil sie statt Nachrichten zu verlesen nun so überzeugt und überzeugend über Homefarming aufklärt, dass man am liebsten sofort losbuddeln möchte.
Und dann gibt es noch die Standing Ovations für Verleger David Schraven und das Recherchenetzwerk CORRECTIV, das die für Millionen Menschen und unsere Demokratie bedrohlichen Ewig-gestrig-Träume der AfD sowie der gesamten extremrechten Blase aufgedeckt hat. Prädikat wertvollst.
Meinen Sympathieaward verleihe ich den Cheerleaders der Neuss Gladiators, die die Umschläge mit den Namen der Gewinner:innen, begleitet von sauberen Salti, zur Bühne gebracht und für den zünftigen Lärm zum abendprägenden Wortspiel gesorgt haben: Make some Neuuuuuuuuss!
Und hey, kann nicht jemand dem Team des Goldenen Bloggers endlich mal einen Award verleihen? Mit allem Zipp und Zapp und rotem Teppich und Blitzlichtgewitter? Wär´ so was von verdient.
von Christoph Berdi | März 7, 2017 | Digital & Vernetzt, Kontext & Gesellschaft, Unternehmen & Management
Der Volkswagen-Konzern gewährt Einblick in sein Allerheiligstes für die digitale Zukunft. Ein Ortstermin für die Initiative Deutschland Digital im Future Center Europe in Potsdam.

Von Christoph Berdi
Am Empfang liegen Dutzende Handys, griffbereit und geordnet. Auf einigen kleben Post-its mit den Namen ihrer Besitzer. Sie können ihre Telefone wieder an sich nehmen, wenn sie das Gebäude am Ufer des Gewässers „Tiefer See“ in Potsdam verlassen. Stetig gesellen sich weitere Geräte dazu. Es ist 14 Uhr; viele Mitarbeiter kommen zurück aus der Mittagspause. Brav gebe auch ich mein Smartphone ab und lasse auch gleich meinen Laptop da. Alles wegen der Kameras. Das Future Center Europe des Volkswagen-Konzerns in Potsdam ist ein Ort voller Betriebsgeheimnisse. Hier wird nicht offen über die Mobilität der Zukunft verhandelt, sondern im Dienste des Konzerns und seiner Marken geforscht und entwickelt. Das besondere dieses Centers und seiner beiden Schwestereinrichtungen in Peking und San Francisco ist: Designer und Digitalexperten arbeiten Hand in Hand. An neuen Designgrundlagen, an digitalisierten Cockpits, am autonomen Fahren und an der E-Mobility. Und obwohl schon zu Beginn der Führung durch dieses Zukunftslabor klar ist, dass das wirklich „heiße Zeug“ fremden Augen verborgen bleibt, stellt sich schnell Neugier ein. Das Verborgene ist immer spannender als das Offensichtliche. Aber das Offensichtliche ist spannend genug.
Source: Future Center Europe: Volkswagen im Start-up-Modus » Initiative Deutschland Digital
von Christoph Berdi | Okt. 11, 2016 | Digital & Vernetzt, Kontext & Gesellschaft

Für die Zeitschrift „zeitschmelze“ und die Initiative Deutschland Digital (IDD) habe ich Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP interviewt. Themen sind die Digitale Agenda der Bundesregierung, die Digitale Transformation von Verwaltung und Schulwesen und natürlich der Stand der Dinge in der deutschen Wirtschaft. Auch über Datenschutz und Sicherheit habe ich mit dem Chef-Liberalen gesprochen. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:
(…) Kaum ein Verbraucher versteht, was mit seinen Daten, seinem digitalen Schatten und durch weitere Analysen geschieht. Wieviel Schutz benötigt er?
Datenschutz als Datenvermeidung ist nicht mehr zeitgemäß. Gefragt ist Datensouveränität. Es gibt ja nicht mehr nur den Staat und die Bürger, sondern eben auch private Anbieter, die die Daten der Menschen bewirtschaften. Hier ist der Rechtsstaat gefordert, für gesicherte Rechte des Einzelnen auch gegenüber den großen Plattformen zu sorgen. Jeder muss selber entscheiden können, wer, was und zu welchem Zweck mit seinen Daten macht.
Sicherheit ist ein großes Thema. Die Digitalisierung bietet da mehr Möglichkeiten, als gesellschaftlich vielleicht wünschenswert sind: Vorratsdatenspeicherung, Gesichtserkennung… Wo ziehen Sie die Linie?
Die Frage in einer Demokratie wie unserer ist doch: Wieviel an individueller Freiheit erlauben wir uns aufzugeben, wenn wir im Gegenzug mehr Sicherheit erhalten? Ich bin der Meinung, dass die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten ausreichen. Es mangelt im Vollzug. Was das Thema Gesichtserkennung angeht: Da bin ich zurückhaltend. Wer ist verdächtig? Bei wem wird die Technologie angewandt? Ich teile die Sorge, dass Anonymität verlorengeht.
Im nächsten Jahr steht die Bundestagswahl an. Träumen Sie mal vorwärts: Wäre mit der FDP ein Ministerium wie das von Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) zu machen, in dem Verkehr und digitale Infrastruktur zusammengelegt sind?
Wir haben ja keine Regierung, sondern eine Reagierung. Sie passt ihre Politik viel zu zögerlich an die Auswirkungen der Digitalen Transformation an. Die FDP hält ein Digitalministerium für erforderlich. Das wäre auch ein Signal, um das Bewusstsein für den digitalen Wandel in der Bevölkerung und in der Wirtschaft zu schärfen.
Wie digital ist eigentlich Christian Lindner?
Ich arbeite seit vielen Jahren komplett papierlos und nutze eine verschlüsselte Cloud. Außerdem bin ich in den sozialen Medien aktiv. Mir macht das einfach Freude.
Das gesamte Interview lesen Sie hier: FDP-Chef Christian Lindner: Mehr Bits und Bytes, weniger Bismarck » Initiative Deutschland Digital
von Christoph Berdi | Okt. 10, 2016 | Digital & Vernetzt, Unternehmen & Management

17 Mitarbeiter zählt die Zahnarztpraxis Dr. Thomas Müller und Dr. Benjamin Weidmann in Schaffhausen. Ein Kleinunternehmen, und doch ganz groß in der Digitalen Transformation. Durchaus aus „Freude an Gadgets“, wie Co-Chef Thomas Müller mir im Gespräch für diesen Beitrag berichtete, aber auch aus der Überzeugung, dass die Digitalisierung an keinem Unternehmen und schon gar nicht an ihrer Branche vorbeigehen wird.
Auf den Weg machte sich die Praxis, als sie vor einigen Jahren begann, ihre Patientenakten zu digitalisieren. Als „Doconform“ brachte sie ihre Lösung an den Markt. Mittlerweile arbeiten Müller und Weidmann daran mit, ihr Produkt in die umfassende Praxissoftware „Ergodent“ zu integrieren. Das Ziel ist, allen Ärzten und Mitarbeitern Zugriff auf die gleichen Daten zu ermöglichen und so die Patienten immer gezielt informieren oder ohne Rücksprache direkt weiterbehandeln können. Bei Müller und Weidmann ist das bereits üblich.
(…)
Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Zahnarztpraxis Müller und Weidmann: als Unternehmen klein, in der Digitalisierung ganz groß » Initiative Deutschland Digital