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Stell Dir vor, es ist Demokratie und keiner geht hin!

Jede Wahl, ob auf Kommunal-, Landes-, Bundes- oder Europaebene produziert eine schlechte Nachricht: die von der Wahlbeteilgung. An Jubelgesänge über zu den Urnen strömende Massen kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Und während wir gelernt haben, jeden noch so nichtigen Anlass als Event zu zelebrieren, werden Wahlen mit Muff und Langeweile durchgeführt, als feierten die frühen 50-er fröhliche Urständ. Jedem, der bewusst oder unbewusst auf dem Boden unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung steht, sollte es eine Pflicht und Ehre sein, zu wählen. Sicher doch. Und so finden wir uns im Wahllokal ein, sammeln die Zettel ein, gehen hinter die Abschirmung, machen Kreuzchen und stecken die Blätter voll staatsbürgerlichem Stolz in die Urne. Wichtig, gut und langweilig. Wir werden immer weniger.

Anstatt den Parteien Abermillionen Euro für die Wahlkampfunterstützung hinterherzuwerfen, sollte man einen Teil davon abzweigen, um mehr und besseres Marketing fürs Wählen zu machen. Und den Akt des Wählens könnte man durchaus mit etwas mehr Glanz verleihen. Warum gibt es eigentlich Wahlpartys nur für die Elite? Warum organisiert man mit örtlichen Vereinen keine öffentliche? Wo ist ideelle Belohnung für Wähler? Und sei es ein Werbegeschenk mit dem Aufdruck „Ich bin Wähler“. Wer sich wie bolle über den Billigkugelschreiber mit CDU- (oder SPD, oder Grüne oder Linke) Aufdruck freut, wird den Wähler-Kuli bestimmt mit noch größerer Freude im Revers tragen. Sicher fällt uns noch etwas besseres ein, etwas sozialen Gruppendruck auf die Nichtwähler auszuüben. Nicht auf jene, die aus bewusstem Protest nicht zur Wahl gehen. Sondern auf die Gedankenlosen, die sich gar keinen Kopf mehr darüber machen, dass für jeden Bürger das Wählen ein Fest sein sollte.

Dies sind nur ein paar hingeworfene Gedanken, resultierend aus dem ernüchternden Wahlerlebnis am Sonntag in NRW. Und ja, ich habe auch, extra für diesen Eintrag, das Bundeswahlgesetz nachgelesen. Da heißt´s: „Während der Wahlzeit sind in und an dem Gebäude, in dem sich der Wahlraum befindet, sowie unmittelbar vor dem Zugang zu dem Gebäude jede Beeinflussung der Wähler durch Wort, Ton, Schrift oder Bild sowie jede Unterschriftensammlung verboten.“ Das eröffnet doch Spielräume!

Nachhaltigkeit in der Henkel-DNA

Journalisten aus zehn Ländern folgten am Mittwoch der Einladung in die Düsseldorfer Henkel-Zentrale, um sich über die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns zu informieren. Dass es dem Unternehmen damit ernst ist, zeigte ein ungeplanter Kurzauftritt von CEO Kaspar Rorsted (Bild 1). Neugierig geworden durch den Auflauf, ließ er seinen Kaffee kalt werden, gesellte sich kurz zu der Runde und gab dem Event eine Perspektive: „It´s not a fashion, it´s here to stay“, sagte er zum Thema Nachhaltigkeit. Henkel wolle daraus einen Wettberwerbsvorteil ziehen: „It´s part of our DNA“.

Dafür hat das Unternehmen Ziele definiert. Bis 2012 sollen der Energieverbrauch um 15 Prozent, der Wasserverbrauch um 10 Prozent, das Abfallaufkommen um ebenfalls 10 Prozent und die Zahl der Arbeitsunfälle um 20 Prozent abnehmen. Die auf den ersten Blick nicht spektakulären Zahlen erklären sich dadurch, dass Henkel in den vergangenen Jahren in diesen Feldern bereits große Fortschritte erzielt hat. Seit 1998 wurde der Energieeinsatz zum Beispiel schon um 40 Prozent reduziert.

Henkel-Manager Christian-Andre Weinberger, Global Chief Marketing und Chief Sustainibility Officer für den Bereich Laundry and Homecare (Bild 2), erläuterte die Umsetzung in seinem Segment. Bei den Waschmitteln arbeitet man beispielsweise daran, mit immer geringeren Dosierungen und niedrigeren Temperaturen die Kleindung sauber zu bekommen. Ein Ziel sei es beispielsweise, mit der normalen Leitungswassertemperatur von 15 bis 17 Grad zu waschen. Dahin ist es noch ein langer Weg. Nicht nur für die Forschung und Entwicklung, die dem Sustainibility-Gedanken komplett untergeordnet ist, sondern auch für die Verbraucher. Die waschen nämlich tendenziell heißer als nötig; derzeit im Schnitt mit 46 Grad. Neue Waschmittel kommen schon mit 20 Grad klar. Die Änderung des Verbraucherverhaltens, so Weinberger, sei deshalb auch ein Ziel des Marketings und darüber hinaus der wichtigste Hebel, um Energie und Wasser zu sparen.

Überhaupt geht Henkel das Nachhaltigkeitsthema ganzheitlich an. Im Rohstoff-Einsatz, in der Logistik und in der Produktion arbeitet das Unternehmen kontinuierlich an Verbesserungen – ob es für eine nachhaltige Produktion des für viele Produkte wichtigen Palmöls eintritt oder die Zusammenarbeit mit dem Handel mittels des „Henkel Sustainibility Masters“ optimiert. An einem will Henkel aber nicht sparen. Gewarnt durch die spektakulären Flop von Persil Supra in den frühen 1990-er Jahren, das ungemein ökologisch aber auch wenig wirksam war, verknüpft das Unternehmen Nachhaltigkeit immer mit Leistung. „Performance based on sustainibility“ sei der neue Qualitätsstandard, so Weinberger. „Am Ende des Tages“, weiß der Marketingprofi, „geht´s darum, die Flecken aus der Wäsche zu bekommen.“ Auf den Produkten wird dies weltweit mit dem Logo als „Qualität und Verantwortung“ ausgewiesen.

Die Öffentlichkeitsoffensive Henkels solle auch eine Haltung widerspiegeln. Um glaubwürdig zu sein, bedürfe es der Transparenz. Deshalb redet Henkel auch mit den Nichtregierungsorganisationen und fördert Utopia.de, ein Portal für nachhaltigen Konsum. Auf der Plattform sucht Henkel u.a. den Dialog mit kritischen Verbrauchern. Für das Pressemeeting versuchte sich Henkel erstmals an Online-PR über den Microbloggingdienst Twitter.com. Wer also nachlesen möchte, was sonst noch alles gezwitschert wurde, der klicke hier.

Marken: Ist Nachhaltigkeit messbar?

Nachhaltigkeit hat sich in jüngerer Zeit als Arbeitsfeld des Marketing und der Markenführung herausgebildet. Der Begriff vereint klassische Marketing-Ziele mit „guten“ Wirkungen wie soziale Verträglichkeit, oder ökologische Verantwortung. Viele Unternehmen arbeiten daran, was nicht zuletzt im CSR-Boom („Corporate Social Responsibility“) zum Ausdruck kommt. Das Problem: Nachhaltigkeit lässt sich nur schwerlich messen. Einen Ansatz präsentieren jetzt die Sempora Consulting GmbH und ihr Partner Goodbrand & Company, die einen Social Equity Index berechnen. Dieses in Großbritannien entwickelte Verfahren misst den gesellschaftlichen Beitrag und die Bedeutung einer Marke in Bezug auf ethische, soziale und umweltrelevante Attribute. In März und April 2009 wurden dazu mehr als 6 400 Verbraucher online befragt. Spitzenreiter des draus reultierenden Nachhaltigkeitsindex (GBSEI) sind die vier Autohersteller Audi, VW, BMW und Mercedes, gefolgt von Hipp, den Sparkassen, der Andechser Molkerei und dm Drogeriemärkte. Coca Cola und Amazon komplettieren die Top Ten. Solche Rankings sind schön, aber doch von begrenztem Aussagewert. Interessanter ist der Blick auf einzelne Projekte. So kam bei der Untersuchung heraus, dass das Krombacher Regenwald Projekt besser gerankt ist als „Ein Herz für Kinder“, „Volvic 1 Liter für 10 Liter“ oder Dr. Oetkers „Wir fördern Familie“. Außerdem steht Krombacher in Sachen CSR besser da als die Wettbewerber in der Kategorie „Alkoholische Getränke/Bier“. Wenn solche Messungen vorgenommen werden können, ohne dass jedesmal eine individuelle Mafo aufgesetzt werden muss, ist das dem Nachhaltigkeits- und CSR-Gedanken sehr dienlich. Denn letzten Endes stellen sich auch viele Unternehmen auch hier die Frage: Was bringt´s?

Stumpfer Winkel, spitzes Marketing

Nicht nur die Finanzkrise hat die amerikanischen Autobauer ins Verderben gestürzt, sondern auch zu kurz gedachtes Marketing und fehlgeleitete oder fehlende strategische Planung. Während die Welt sich veränderte, haben die Hersteller dies beharrlich ignoriert und dicke, durstige Straßenschiffe gebaut und – dies ist schlimm – geplant. Andere haben aus Versehen das Richtige gemacht. Dafür ist die Daimler-Marke Smart ein gutes Beispiel. Einst als verkopftes und kaum vermittelbares „Mobilitätskonzept“ mit eigenen Parkplätzen und unverständlichen Slogans („Reduce to the Max“) gestartet, durch Überdehnung an den Rand des Ruins gebracht (Roadster und For Four), liegt der kleine Zweisitzer plötzlich und letztendlich im Trend. Klimawandel und Energiepreisen sei dank.

Dass es auch anders und strategischer durchdacht geht, zeigen Unternehmen wie Nestlé, die ihre kleingärtnerische Arbeit an Produkten, Marken und Märkten mit einer langwelligen Amplitude versehen haben: Nutrition, Health and Wellness sind die definierten Stoßrichtungen, in denen sich die Marken- und Produktmanager zu bewegen haben. Diese Dimensionen sollen nicht auf Kosten des Geschmacks gehen, sondern sich in der Leistung dazu addieren. Und die 60/40-Regel von Nestlé sagt, dass nur Produkte in den Markt gehen, die von 60 Prozent der Verbraucher gegenüber dem Wettbewerb präferiert werden. Nestlé hat mit klaren Vorgaben sichergestellt, dass das Angebot auch den langfristigen Entwicklungen folgt. Damit das so bleibt, wird auch in Forschung & Entwicklung investiert. Ein neues Programm erforscht die Ernährungsbedürfnisse von Sportlern, und mit einem zweiten Forschungszentrum für das Außer-Haus-Geschäft im US-Bundesstaat Ohio will Nestlé von diesem Wachstumsmarkt künftig noch stärker profitieren.

Manche Wirtschaftszweige kommen um diese Denke gar nicht herum. Die Wintersport-Industrie macht sich natürlich völlig zu Recht viele Gedanken darüber, was denn die Temperaturerhöhung, die sinkende Schneesicherheit und der demopgraphische Wandel für sie bedeuten. Den noch schnelleren und wendigeren Carver-Ski wird es sicher geben, das nächste Trendboard auch, aber die Industrie braucht neue Betätigungsfelder. Die Sportmesse Ispo hat deshalb eine Studie zur Zukunft des Skisports in Auftrag gegeben. Skifahren als ganzjähriges Bergerlebnis Natur-, Stadt- oder virtuellem Erlebnis sind neben Internationalisierung und Investitionen in bestehende Angebote Optionen für die Entwicklung der Industrie.

Ob die Betrachtungsweise nun ausreichend ist und die zur Untermauerung und Präzisierung geführten 30 Experteninterviews für die notwendige Belastbarkeit der Ergebnisse sorgen, sei einmal dahingestellt. Aber der weite Blickwinkel ist goldrichtig. In der Mathematik nennt man solche Winkel stumpf. Marketing machen sie spitz.

Finnische Uniformen: Produkt-PR oder Piraterie?

Einem besonderen Fall von Produktpiraterie glauben finnische Kommentatoren auf die Spur gekommen zu sein. Im Georgien-Konflikt, so das Ergebnis ihrer Fotoauswertung, hätten russische Truppen Uniformen mit einem geschützten finnischen Tarnmuster getragen. Das besondere an der EU-weit geschützten Camouflage M/05 ist, dass sie auf Luftbildern der finnischen Wälder basiert. „Did Russia steel Finish uniforms?“, titelte deshalb die International „Herald Tribune“ in ihrer gedruckten Ausgabe vom 21. November. Von russischer Seite, so die Tribune, handelten sich die Finnen den Vorwurf ein, mit der Geschichte nur ihr Produkt bekannt machen zu wollen. Die finnischen Behörden teilten mit, dass die Muster der Russen mehr oder weniger denen von M/05 entsprächen, aber der Schnitt der Uniformen ein anderer sei. Dabei wünschen sie sich wohl insgeheim, die Geschichte würde einfach auslaufen. Tut sie aber nicht. Über 1000 Kilometer gemeinsame Grenze und eine keineswegs in einvernehmlicher Nachbarschaft verbrachte Geschichte lassen viele Finnen auf die bloße Botschaft nervös reagieren, dass es in Russland offenbar Uniformen gibt, deren Zeichnung dem Farb- und Formenbild der finnischen Wälder nachempfunden ist