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Die Professoren Hermann Simon (Simon Kucher & Partners) und Martin Fassnacht gewinnen – völlig verdient – den Georg-Bergler-Preis für absatzwirtschaft, den wir als Zeitschrift gemeinsam mit dem GfK Vereinund dem Deutschen Marketing-Verband (DMV). Er ist dotiert mit 20.000 Euro und damit einer der lukrativsten Wirtschaftsbuch-Wettbewerbe überhaupt.Dass ich das noch mal betone, hat seinen Grund. Die Rheinische Post schrieb vergangene Woche, der Georg-Bergler-Preis werde von der WHU Otto-Beisheim School of Management verliehen. Da ist den Kollegen wohl etwas durcheinandergeraten. Prof. Fassnacht lehrt dort, und die WHU freut sich zu Recht mit ihm über die Auszeichnung.

Der Preis ist Professor Bergler gewidmet, dem Forscher und Lehrer, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg Grundlagen die Marktforschung und das Konsumgütermarketing legte, und an dessen Lehrstuhl die absatzwirtschaft gegründet wurde. Als Lehrer muss Bergler, der unter anderem Geschäftsführer der GfK war, großartig gewesen sein, bis heute erzählen seine ehemaligen Studenten und Mitarbeiter voller Verehrung von ihm. Der Preis greift das auf, und die Jury unter Federführung meines Redaktionskollegen Peter Hanser sucht Bücher aus, deren Autoren den Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in die Praxis vorbildlich gelingt. Die dritte Auflage des Marketingklassikers “Preismanagement” – von Hermann Simon und erstmals in Kooperation mit Professor Martin Fassnacht – ist ein guter Griff. Denn bevor Simon, der heute als “Pricing-Papst” gilt und einer der angesehendsten Mangement- und Marketingdenker der Welt ist, sich des Themas vor über 30 Jahren erstmals annahm, hatte die Wissenschaft das Thema doch eher stiefmütterlich und auf die Preispolitik und Preistheorie behandelt. Für den damals neuen Begriff “Preismanagement”, erinnert sich Simon, wurde er kritisiert.

Während der Preisverleihung im Tucher-Schloss in Nürnberg kam ein Thema zur Sprache, dass auch zu den Sorgen-Themen der absatzwirtschaft gehört: die Incentivierungssysteme im Wissenschaftsbetrieb. Der Zwang, Publikationen in Journals nachweisen zu können, führt zum Aussterben der guten Bücher. Starke, fundierte Monographien, wie sie der Bergler-Preis auszeichnet, sind selten geworden, Herausgeberbände mit Einzelbeiträgen beherrschen ganz klar die Szene. Schade, schade. Fraktales Wissen statt großer Würfe. Details statt Überblick. Rigor statt Relevance sind die Folge. Verlierer sind die Praktiker in den Unternehmen. Die Wissenschaft erreicht sie mit vielen Ergebnissen nicht mehr, und wenn doch, dann mit Nischen-Forschung, die wissenschaftlich supergut, aber fürs Marketing-Business völlig ungeeignet ist. Der Wissenschaftsbetrieb, so wie er heute organisiert ist, führt geradewegs in den Elfenbeinturm.