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28.08.2013 – Marketing und Werbung verfügen über eine schier überschaubare Zahl an Fachtermini und Buzzwords. Und sie sind schnell bei der Hand, wenn es darum geht, neue zu kreieren. Mittlerweile ist eine Begriffsvielfalt entstanden, die selbst Fachleute verwirrt und mitunter ratlos macht. Diese Gedankenlosigkeit im Umgang mit Sprache in unserer Disziplin führt auch dazu, dass Wörter in den Diskurs einbezogen werden, die eine Bedeutung haben, die tunlichst nicht verwässert werden sollte.

Mir ist das am Begriff “Stalking” aufgefallen, der in den Medien zunehmend im Kontext des digitalen Marketings genutzt wird, vor allem mit Blick aufs Targeting.

Sicher fühlen sich viele Internetnutzer von der Werbung bestimmter Anbieter im Netz irgendwie verfolgt. Ich selbst war es im Anschluss an eine Recherche zur Marke Zippo auch leid, über lange Zeit ständig auf allen möglichen Websites mit Werbung für die Feuerzeugmarke konfrontiert zu werden. Und das passiert mir nach anderen Recherchen auch immer wieder. Das ist lästig. Das grenzt an Belästigung. Aber es ist kein Stalking. Nicht einmal ansatzweise, und das wird sofort klar, wenn man sich gängige Definitionen für Stalking anschaut:

„Das beabsichtigte und wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen, so dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt wird.”

Man beachte den zweiten Teil des Satzes.

In den letzten Jahren wurden in Deutschland pro Jahr rund 25.000 Stalking-Fälle polizeilich erfasst. Die Dunkelziffer dürfte immens sein. Stalking ist ein Straftatbestand mit schweren psychischen Auswirkungen auf die Opfer. Wer den Begriff nun n einen vergleichsweise banalen Kontext wie Werbung übernimmt, entwertet ihn und trägt dazu bei, eine perfide und verbrecherische Handlungsweise zu verharmlosen.

“Stalking” hat in der Diskussion ums Targeting nichts zu suchen.
Polizeilich erfasste Fälle von Stalking in Deutschland bis 2012
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