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Der Marketing-Club Aachen hat mich eingeladen, einmal darzulegen, woran es denn hapert in der Zusammenarbeit zwischen Redaktionen und PR. Zugegeben, ich bin da parteiisch….

Eine leere Flasche Gin hat mich auf die Idee gebracht. Nicht, dass ich sie geleert hätte, nein sie kam schon mit Luft gefüllt in der Redaktion an. Die herstellende Destille hielt es für eine witzige Idee, die Flaschen durch die Lande zu schicken mit dem Versprechen: Kommen Sie zur Pressekonferenz, dann erhalten Sie eine volle. Ob sich da irgendjemand Gedanken gemacht hat, was das eigentlich für die Postlogistik eines Verlages heißt, wenn man Flaschen als Pressemeldungen verschickt? Wohl kaum. Ärgernisse wie diese sind in Redaktionen an der Tagesordnung. Die PR bringt sich um den Lohn, nämlich Öffentlichkeit, ihrer Arbeit. Nicht nur wegen oft zu seichter Inhalte, sondern weil sie die Produktionszwänge und -prozesse in Redaktionen nicht nachvollzieht. Die folgenden Punkte lösten dann eine lebhafte Diskussion aus:

Stören Sie nicht den Betrieb!

  • Gimmicks und aufwändige Verpackungen statt Pressematerial behindern den Postfluss
  • Warenproben sind vielfach überflüssig
  • Mehrfachzusendung ein und derselben Meldung erhöht den Sortieraufwand

Keine Belästigung, bitte!

  • Kontakten, ohne sich vorher über Medium und Zielgruppe zu informieren, ist sinnlos und frisst Zeit
  • Ständige Nachfassaktionen, noch dazu durch ungeschultes und unkundiges Personal, sorgen für Ärger
  • Ständiges Hinterfragen redaktioneller Entscheidungen enstpricht nicht dem Prinzip der gleichen Augenhöhe
  • Wer seine Verteiler aktualisieren möchte, was ja gut ist, sollte auf Impressi, das Internet und Pressehandbücher zurückgreifen

Mindestandards in Texten einhalten

Diese Punkte sollten selbstverständlich sein, sind sie aber nicht:

  • vernünftiger Anlass
  • journalistischer Aufbau
  • Quellen zu Zahlen und Fremdangaben
  • Verzicht auf anpreisendes PR-Sprech
  • keine Werbung

Technische Exzellenz

  • Textdateien sollten ohne störende Formatierungen verschickt werden
  • PMs als pdf lassen sich nur mit Mühe weiterverarbeiten. Deshalb zur pdf immer eine Textversion versenden
  • Charts werden als offene Powerpoint-Daten benötigt und und nicht in Word / oder pdf eingebettet. Nur erstere lassen sich vernünftig weiterverarbeiten.

Lassen Sie los!

  • Nur absolut notwendige Textabstimmung bei Zitaten und Interviews, und bitte nicht nachkarten. Ein einmal besprochenes Abstimmungsprocedere sollte eingehalten und nicht im Nachhinein verschärft werden.
  • Keine Missionierung der Journalisten – Respektieren Sie das Nein der Redaktion
  • Keine Beeinflussung Freier Mitarbeiter – das sorgt für absolut allergische Reaktionen bei selbstbewussten Redaktionen und ist kontraproduktiv.
  • Keine Zuwendungen – wenn auch ohne Hintergedanken und gut gemeint. Das versteht sich von selbst, oder?

Reden Sie nur, wenn Sie etwas zu sagen haben

  • Echte Nachrichtenfaktoren statt (nur) Wünsche und Phantasien interner und extgerner Auftraggeber
  • angemessene Länge, keine selbstverliebte Selbstdarstellung, oder Kurz- und Langversion
  • Themenstellung mit Blick auf Konzept und Themenplanung der Zeitschrift
  • Müllen Sie Redaktionen nicht mit Belanglosigkeiten zu, wirklich wichtige Meldungen drohen dann beim Leeren des Papierkorbs ebenfalls durchzurutschen

Unterstützen Sie die Positionierung des Mediums

  • Spezielle Texte für die Schlüsselmedien
  • Interviewpartner nach Wunsch der Redaktion auswählen
  • Dosierte und transparente Exklusivität gewähren – selbst Wettbewerbsmedien. Das geht und macht alle beteiligten froh, erfordert aber Fingerspitzengefühl und vorher erworbenes Vertrauen.

Über den Text hinaus:
Die neuen Geschäftsmodelle erweitern das Spielfeld auch für die PR:

  • Events, Fort- undWeiterbildung
  • Online-Plattformen und Communitys
  • Blogs und Webinare

Um es klar zu sagen: Es gibt jede Menge PR-Leute und -Agenturen, die absolut professionell und auf Augenhöhe mit uns zusammenarbeit. Die, die es nicht tun, stören nicht nur den Betrieb, sondern schaden auch ihren Kunden. Also, nichts für ungut, liebe Kollegen in der PR. Und wir sind uns bewusst: Wir ärgern Sie auch. Schreiben Sie uns doch mal, wodurch. Das wird bestimmt spannend!