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Auf einer Schreibmaschine, deren Typenbezeichnung ich vergesen habe, entstanden die ersten Texte, die ich je für eine Zeitung geschrieben habe. Für eine Lokalzeitung zog ich los, “machte Termine”, und brachte, mit der Ahnungslosigkeit des Abiturienten, zu Papier, was ich gehört hatte. Dies nur am Rande, um über die Schreibmaschine zum Thema dieses Blogs zu kommen: der Soft- und Hardware für das Schreiben. Machen wir Schreibenden uns eigentlich genügend Gedanken darüber, mit welchen Untensilien wir unsere Worte zu Papier, pardon, auf den Bildschirm bringen?

Wer gerne mit der Hand schreibt und dies kultuviert, der benützt ein besonderes Papier, einen Füllfederhalter, dessen Feder den Auf- und Abstrichen seine Handschrift, ihrem Rhythmus und ihrem Fluss besonders gut folgt, vielleicht mit einer schönen Tinte und einer Kolbenfüllung, die das Schreiberlebnis noch sinnlicher macht. Und wir pragmatischen Vieltexter? Verschwenden wir nur einen Gedanken daran, WOMIT wir eigentlich schreiben und was es mit unseren Worten, unserem Stil, mit unseren Texten und unserer Kreativität macht?
Wir tippen unsere Texte in eine Maschine, auf der ein Word-irgendwas läuft oder aber eines der vielen Content Management Systeme, die den Eindruck erwecken, als könne man bei Ausschöpfung aller Funktionen damit vielleicht doch eine Mondrakete starten. Was haben diese Journalistenfinger nicht schon alles befüllt. Nach der – kurzen – Schreibmaschinenphase kam bei mir ein Atari ST mit der Textverarbeitung 1st Word plus (wie wunderbar doppeldeutig). In den Redaktionen liefen Harris oder Atex, die beide gemeinsam hatten, dass sie Mördertastaturen mit allen möglichen Satzbefehlen darauf hatten, die damals übliche giftgrüne Schrift auf dunklem Grund und eigentlich nur grauenvoll. Später, Anfang der 1990er-Jahre kam dann Cicero, immerhin weiß auf schwarz, und im WYSIWYG-Modus (na, wer weiß noch, was das heißt?). Auf den DOS-Rechnern lief in der Regel das – sorry – total crude Microsoft Word. Am Institut für Journalistik an der Universität Dortmund sah ich damals ein Vorglühen dessen, was heute gang und gäbe ist an Ergonomie, mit putzig kleinem Bildschirm, aber dem Apfel drauf: die ersten Macintosh.

Aber wo ich mich schreibtechnisch immer am wohlsten gefühlt habe, dass war vor nichts als einem blauen Bildschirm mit weißen Zeichen. Wordperfect war das Programm meiner Wahl. Ich musste ein paar Tastenkombinationen lernen, damit der Text ein Format bekommt, ok, aber ansonsten war das für mich das Schreiberparadies. Meine Worte, mein Text auf dem Bildschirm – und sonst nichts. Ich wage mal die These, dass dies zu schneller zu guten Resultaten geführt hat. Der reine Text auf dem Bildschirm. All der Schnickschnack drumherum, der Auge und Geist vom Wesentlichen ablenkt und dazu verführt, über Formatierungen, Schrifttypen und -schnitte nachzudenken, oder mal eben noch etwas anderes in einem weiteren Fenster zu erledigen oder zu einem anderen Programm zu wechseln – das gab es einfach nicht. Und ich gestehe, dass ich in Zeiten von Windows 7 und Mac OS Lion immer mal durchs Web gesurft bin, auf der Suche nach etwas, dass dieses reine und durch seine Beschränkung edle Schreibgefühl zurück auf den Bildschirm bringt.

Ich habe es gefunden. Und sitze vor einem Rechner, der mehr Rechenpower hat als alles, auf dem ich in den letzten 25 Jahren geschrieben habe, und freue mich diebisch, dass vor mir nichts ist als ein blauer Bildschirm mit weißen Buchstaben und dem alten Wordperfect-Feeling. Wer immer die Idee zu der App Writeroom für Macs hatte – very well done. Dass die App auch giftgrün auf schwarz kann, ist eine nette Reminiszenz an die Ur-Zeiten des Computer Aided Publishing, aber nach wie vor nicht länger als ein paar Minuten zu ertragen (ich denke, dass ist der Grund, warum ein altes Redaktionsystem in Dortmund in der Deutschen Ausstellung für Arbeitsschutz DASA zu sehen ist oder war, wenn ich mich recht erinnere.) Schwarz auf weiß kann die App auch, und das Ganze vice versa. Egal. Endlich steht wieder der Text auch optisch im Mittelpunkt und nicht das Gestrüpp aus Menüs und Optionen, das nur vom kreativen Prozess ablenkt.

Eines noch: Dass der Programmierer des Wordperfect-Themas für Writeroom auch noch die alte VGA-Auflösung miteingebaut hat, ist vielleicht etwas zu viel Traditionspflege. Das könnte dazu führen, dass ich auf die ebenfalls schicke Terminal-Einstellung – weiß auf dunkelgrau – wechsle, die augenschonender ist.