+49 177 5046522 berdi@christoph-berdi.de
Seite auswählen

Weihnachten 2023 – Wer wollen wir sein?

In meiner Küche steht eine winzige Krippe. Trotz ihrer Schlichtheit geht natürlich das ganze Kopfkino los: die Weihnachtsgeschichte, der Stern, Caspar, Melchior und Balthasar, das Licht und die Hoffnung, die Lieder ... Und dann sind da der Schmerz und die Traurigkeit, die sich unweigerlich melden.

veröffentlicht auf Linkedin im Dezember 2023

Mal ehrlich, das mit der Herberge und der Nächstenliebe bekommen wir nicht mehr so gut hin. Wir haben es zugelassen, dass die Menschen, die zu uns flüchten, zu einem anonymen „managebaren“ Phänomen geworden sind. Migration, Migranten – vom Wortstamm her sind es sachliche Begriffe. Aber in der Ausschließlichkeit und Vehemenz, in der sie die gesellschaftlichen und politischen Äußerungen mittlerweile beherrschen, interpretiere ich sie als Verstoß gegen § 1 des Grundgesetzes. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht da geschrieben, und weiter: „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.“ Die Rede ist von Menschen, nicht von Deutschen und auch nicht von Bundesbürger:innen. Aber vielleicht schläfert es so manches Gewissen ja aufs Angenehmste ein, wenn man nicht von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen, Familien und Partner:innen redet, die vor Krieg, Repression und den Auswirkungen des Klimawandels zu uns fliehen, sondern sie in entpersonalisierter, technokratischer Sprache versteckt.

Ich finde es furchtbar, wie Flüchtende unter dem Druck der Ewiggestrigen und Rechtsaußen für die Versäumnisse der letzten Jahre verantwortlich gemacht werden. Als wären die Wohn- und Bildungsmisere, die Überforderung und Unterfinanzierung der Kommunen allein durch sie und nicht durch eine zögerliche, ihre Verantwortung negierende und zur Priorisierung unfähige Politik ausgelöst worden. Stattdessen lese ich, dass sich sogar CSU-Politiker physische Gewalt gegen Flüchtende an unserer Grenze vorstellen können. Das kannten wir bisher nur von einer anderen Partei …

Ja, mir ist deutlich bewusst, dass Integration nicht immer funktioniert und sich manche Menschen auch nicht integrieren lassen wollen. Aber rechtfertigt dies den „Asylkompromiss“ der EU? Die Einigung ist zum Fremdschämen. Ich nehme es meiner Partei, der SPD, wirklich übel, dass sie diesen Verrat an der Menschenwürde mitgetragen hat. Schnellverfahren, Haftlager, Abschiebung in sogenannte sichere Drittländer – echt jetzt? Wie verträgt sich das mit dem Grundrecht auf Asyl, das nach dem Holocaust und weiteren Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nazi-Deutschland für das Staatswesen der Bundesrepublik konstituierend und unabdingbar ist? Von meinem Entsetzen darüber, wie viele flüchtende Menschen im Mittelmeer sterben müssen, einmal ganz abgesehen.

Weihnachten 2023 wirft die Frage auf, wer wir sein wollen. Als Gesellschaft, als Staat. Kleiner hab ich’s nicht. Ich jedenfalls bleibe im Team Merkel. Wir schaffen das – wenn wir es ernst meinen mit unserem ersten Artikel des Grundgesetzes. Oder anders gesagt: Wenn es uns wichtig ist.

Frohe Weihnachten.

Abschied von Bernd M. Michael

Mit Bernd M. Michael hat die Marketing- und Werbeszene eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten nun endgültig verloren. Bis zu seinem tragischen Unfall im Jahr 2009 war er ein unermüdlicher Streiter für Marketing mit Substanz, für Kreativität mit Strategie. 

In der damaligen Redaktion der absatzwirtschaft haben wir die Zusammenarbeit mit ihm immer sehr geschätzt. Interviews und Storys mit ihm waren inspirierend und hatten gleichzeitig Hand und Fuß. Da kamen keine hohlen Floskeln, kein Chichi. Wir konnten uns sicher sein: Davon haben unsere Leser:innen etwas. 

In seiner Zeit als Präsident des DMV (Deutscher Marketing Verband) habe ich als Chefredakteur der Zeitschrift einige Zeit enger mit ihm zusammengearbeitet. Dabei habe ich erlebt, dass ihm nicht nur Marken und die Marken-Macher:innen wichtig waren. Auch das Image von Marketing und Werbung, ihr Beitrag zur #Wertschöpfung am Standort Deutschland lag ihm am Herzen.

Bernd M. Michael war Motor, Identifikationsfigur und Botschafter für Marketing und Werbung. Ein Überzeugungstäter, eine Type ... und auch ein Fuchs.

Future Center Europe: Volkswagen im Start-up-Modus

Der Volkswagen-Konzern gewährt Einblick in sein Allerheiligstes für die digitale Zukunft. Ein Ortstermin für die Initiative Deutschland Digital im Future Center Europe in Potsdam.

Von Christoph Berdi

Am Empfang liegen Dutzende Handys, griffbereit und geordnet. Auf einigen kleben Post-its mit den Namen ihrer Besitzer. Sie können ihre Telefone wieder an sich nehmen, wenn sie das Gebäude am Ufer des Gewässers „Tiefer See“ in Potsdam verlassen. Stetig gesellen sich weitere Geräte dazu. Es ist 14 Uhr; viele Mitarbeiter kommen zurück aus der Mittagspause. Brav gebe auch ich mein Smartphone ab und lasse auch gleich meinen Laptop da. Alles wegen der Kameras. Das Future Center Europe des Volkswagen-Konzerns in Potsdam ist ein Ort voller Betriebsgeheimnisse. Hier wird nicht offen über die Mobilität der Zukunft verhandelt, sondern im Dienste des Konzerns und seiner Marken geforscht und entwickelt. Das besondere dieses Centers und seiner beiden Schwestereinrichtungen in Peking und San Francisco ist: Designer und Digitalexperten arbeiten Hand in Hand. An neuen Designgrundlagen, an digitalisierten Cockpits, am autonomen Fahren und an der E-Mobility. Und obwohl schon zu Beginn der Führung durch dieses Zukunftslabor klar ist, dass das wirklich „heiße Zeug“ fremden Augen verborgen bleibt, stellt sich schnell Neugier ein. Das Verborgene ist immer spannender als das Offensichtliche. Aber das Offensichtliche ist spannend genug.

Source: Future Center Europe: Volkswagen im Start-up-Modus » Initiative Deutschland Digital

FDP-Chef Christian Lindner: „Gefragt ist Datensouveränität“

Für die Zeitschrift „zeitschmelze“ und die Initiative Deutschland Digital (IDD) habe ich Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP interviewt. Themen sind die Digitale Agenda der Bundesregierung, die Digitale Transformation von Verwaltung und Schulwesen und natürlich der Stand der Dinge in der deutschen Wirtschaft. Auch über Datenschutz und Sicherheit habe ich mit dem Chef-Liberalen gesprochen. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:

(…) Kaum ein Verbraucher versteht, was mit seinen Daten, seinem digitalen Schatten und durch weitere Analysen geschieht. Wieviel Schutz benötigt er?

Datenschutz als Datenvermeidung ist nicht mehr zeitgemäß. Gefragt ist Datensouveränität. Es gibt ja nicht mehr nur den Staat und die Bürger, sondern eben auch private Anbieter, die die Daten der Menschen bewirtschaften. Hier ist der Rechtsstaat gefordert, für gesicherte Rechte des Einzelnen auch gegenüber den großen Plattformen zu sorgen. Jeder muss selber entscheiden können, wer, was und zu welchem Zweck mit seinen Daten macht.

Sicherheit ist ein großes Thema. Die Digitalisierung bietet da mehr Möglichkeiten, als gesellschaftlich vielleicht wünschenswert sind: Vorratsdatenspeicherung, Gesichtserkennung… Wo ziehen Sie die Linie?

Die Frage in einer Demokratie wie unserer ist doch: Wieviel an individueller Freiheit erlauben wir uns aufzugeben, wenn wir im Gegenzug mehr Sicherheit erhalten? Ich bin der Meinung, dass die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten ausreichen. Es mangelt im Vollzug. Was das Thema Gesichtserkennung angeht: Da bin ich zurückhaltend. Wer ist verdächtig? Bei wem wird die Technologie angewandt? Ich teile die Sorge, dass Anonymität verlorengeht.

Im nächsten Jahr steht die Bundestagswahl an. Träumen Sie mal vorwärts: Wäre mit der FDP ein Ministerium wie das von Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) zu machen, in dem Verkehr und digitale Infrastruktur zusammengelegt sind?

Wir haben ja keine Regierung, sondern eine Reagierung. Sie passt ihre Politik viel zu zögerlich an die Auswirkungen der Digitalen Transformation an. Die FDP hält ein Digitalministerium für erforderlich. Das wäre auch ein Signal, um das Bewusstsein für den digitalen Wandel in der Bevölkerung und in der Wirtschaft zu schärfen.

Wie digital ist eigentlich Christian Lindner?

Ich arbeite seit vielen Jahren komplett papierlos und nutze eine verschlüsselte Cloud. Außerdem bin ich in den sozialen Medien aktiv. Mir macht das einfach Freude.

Das gesamte Interview lesen Sie hier: FDP-Chef Christian Lindner: Mehr Bits und Bytes, weniger Bismarck » Initiative Deutschland Digital