Die Kunst der Werbung im Film: “Art & Copy”

Wenn der Film hält, was der Trailer verspricht, hat Dokumentarfilmer Doug Pray mit “Art & Copy” einen großartigen Film über Werbung gedreht. In Gesprächen mit Kreativen wie Dan Wieden (Wieden & Kennedy), Mary Wells oder George Lois lässt er die großen Momente der Werbung Revue passieren, erläutert den Ursprung von Claims wie “Just do it”, “Where´s the beef” oder “Got milk”. Die Rede ist von Werbung, deren bloße Durchschlagskraft jede Effizienzdebatte witzlos erscheinen lässt. “Ich hoffe, Art & Copy inspiriert Küntler und Autoren zu bedeutungsvolleren, unterhaltsameren und erhebenderen Ideen”, erklärt Pray. 98 Prozent der Werbung seien belästigend und respektlos gegenüber dem Publikum. “Um uns herum ist heutzutage so viel Werbung, da wäre es großartig, die die verbleibenden zwei Prozent etwas zu steigern.” Wer wollte Pray da widersprechen? Übrigens: Hinter dem Film steht auch “The One Club for Art & Copy”, der seit 1975 in den USA exzellente Werbung fördert. Mal sehen, wie und wann der Film nach Deutschland findet.

Werbung: Fremdsprache killt Emotionen

Der Barde Reinhard Mey textete in seinem “English Song” einst diese  Zeilen:

Now only if you can english speak,
And if you will a song outbring,
You better should it english sing!
And people flip out, say I you my friend,
Even if they only railwaystation understand!

Beim gemeinen Verbraucher verhält es sich so ähnlich wie beim besungenen Musikfan. Auch er versteht meistens nur Bahnhof, wenn er “the most of now” machen oder “sense and simplicity” empfinden soll. Das wissen die Marketers und Kreativen auch, halten aber aus Gründen der Konzernräson und länderübegreifender Kostenminimierung daran fest. Wenn die Erasmus-Universität Rotterdam aber mit einer neuen, für die Ausgabe April  2009 des Journal of Consumer Research angekündigten Studie Recht behält, dann sollten die Sparfüchse und English-Texter noch einmal in sich gehen. Danach werden muttersprachliche Aussagen meist emotionaler wahrgenommen als fremdsprachliche. Und wer will schon in seiner Markenführung auf Emotionen verzichten?

Nun mag man einwenden, dass die Versuchsanordnung für die Studie “Bilingualism and the Emotional Intensity of Advertising Language” den Schönheitsfehler hat, dass eine der beiden Testgruppen französischsprachig war. Deren Stolz aufs Frankophile  schließt eine emotionale Zuneigung zu meist englisch gedichteten Claims und Copytexten fast per se aus. Die zweite Gruppe bestand aber aus Niederländern, und die sind der englischen Sprache recht mächtig und an sie gewöhnt. Doch auch sie reagierten negativ. Ergo:

Wer englisch textet, killt Emotionen.