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18.09.2013 – Apple ist wahrscheinlich das einzige Unternehmen auf der Welt, von dem Menschen glauben, seine Firmenzentrale stünde auf einer himmlischen Wolke, von der irgendwann ein höheres Wesen herabsteigen und über das Wasser laufen wird. Dieser Gedanke kam mir bei der Lektüre einer Kritik zum neuen Apple-Betriebssystem iOS 7 für das iPhone und den iPad, erschienen heute in der Süddeutschen Zeitung.

Nachvollziehbar und anschaulich beschreibt der Autor die neue Designphilosophie von Apples Stardesigner Sir Jonathan “Jony” Ive, der so wunderbar in der Designtradition der Ulmer Schule steht, dass dort gestaltete alte Braun-Taschenrechner zu Recht als Gestaltungsvorläufer von Apples Mobilgeräten gelten dürfen. Ive treibt der Software die Wohnzimmerkuscheligkeit aus, verbannt die Holzregale und -panele und noch so einiges mehr, reduziert Ergonomie und Optik auf die Erfordernisse eines digitalen Geräts. Er kappt die sowieso nur vorgegaukelte Verbindung zwischen Realität und Virtualität. Hunderte Millionen Nutzer werden in den nächsten Tagen hausfinden, ob ihnen iOS 7 die Bedienung der Geräte, die Kommunikation sowie den Umgang mit Daten und Dateien erleichtert, und auch entscheiden, ob Ihnen Benutzerführung und Optik gefallen. Nicht mehr, und nicht weniger.

Jörg Häntzschel als Autor der Kritik im SZ-Feuilleton hingegen schließt mit den Worten:

Eine brauchbare, eigenständige Gestalt für die digitalen Fortsätze unserer Körper hat Ive nicht gefunden. Und Hilfe, unser noch immer ungeklärtes Verhältnis zu ihnen zu definieren, leistet er auch nicht.

Heiliger Bimbam, welch ein absurder Anspruch. Als wenn diese Erlösung von einem Unternehmen kommen könnte, das hunderte Millionen Kunden bedienen muss. Von einer Marke, und das ist im Feuilleton vielleicht noch nicht angekommen, die längst nicht mehr diese Originalität und Innovationskraft besitzt wie in den ersten zehn 2000er Jahren, als iPod, iPhone und iPad die Kommunikation der Menschen, die sie sich leisten können, verändert und ganze Märkte aufgemischt haben.

Dieser Zauber ist einstweilen verflogen. Zum Erstaunen vieler konnte selbst der große Inspirator Steve Jobs nicht über das Wasser gehen, und der geniale Jony Ive kann es auch nicht. Wie tröstlich, dass auch eine verblüffende Unternehmung wie Apple von Menschen geführt wird. Und die täten vor allem gut daran, die nächste iInnovation mal kurz zu verschieben und zunächst die Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten in Ordnung zu bringen. iFairness würde die Marke völlig neu aufladen und unser Verhältnis zu den Geräten wirklich neu definieren.

Hier ein offizielles Video von Apple mit einem Kommentar von Sir Ive: